1. Offener Wirtschaftsstammtisch in Trittau: Ein Roter Faden für die Zukunft

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Quo vadis, Trittau? Die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Trittau und ihres Amtsbezirkes war eines der heißdiskutierten Themen im Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters im Frühsommer dieses Jahres, und letztendlich waren sich alle Kandidaten und die Kandidatin einig, dass etwas für die Belebung des Wirtschafts-standortes getan werden muss. Aber was? Um diese Frage zu klären, lädt der „Verein selbständiger Frauen Südholstein“ (sfs) am 27.11. alle Unternehmerinnen und Unternehmer aus Trittau und seines Amtsbezirkes zum 1. Offenen Wirtschaftsstammtisch in den Technologiepark ein, um dort mit dem neugewählten Bürgermeister Oliver Mesch und dem Unternehmensberater Thomas Franke über den „Roten Faden für die Zukunft“ zu sprechen.

Wirtschaft trifft Verwaltung
„Grundsätzlich muss sich die Gemeinde infrastrukturell und marketingstrategisch besser aufstellen, so dass sie für das große aber auch für das kleine Gewerbe wieder attraktiv wird“, war eine der Forderungen des damalige Kandidaten und jetzigen Bürgermeisters Oliver Mesch in einem Interview im Frühsommer dieses Jahres (alle Kandidaten-Interviews sind auf der sfs-Homepage archiviert und können dort nachgelesen werden). Wirtschaftsförderung und Gewerbeausbau waren kardinale Wahlkampfthemen; von besserer Vernetzung mit der Verwaltung, runden Tischen, der Forderung „Gewerbetreibende stärker als Kunden der Verwaltung“ zu sehen, Senkung der Gewerbesteuer, um die Attraktivität für Neuansiedlungen zu erhöhen, und vielem anderen war die Rede.

Nun ist der Wahlkampf seit knapp einem halben Jahr vorbei, doch welche Maßnahmen der Verwaltung die Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Region tatsächlich unterstützen können, und wie sich die Attraktivität des Standortes Trittau für Neuansiedlungen steigern lässt, bleibt weiterhin unklar. Es gibt viele Fragen, die im Moment ungelöst sind, die aber für die Zukunft der Gemeinde entscheidend sein werden. Um gemeinsame Antworten von Wirtschaft und Verwaltung und den „Roten Faden“ für die Zukunft zu finden, organisiert der „Verein selbständiger Frauen Südholstein“(sfs) am 27. November den 1. Offene Wirtschaftsstammtisch mit Gewerbetreibenden aus der Region, Bürgermeister Oliver Mesch und dem Unternehmensberater und Deutschland-Geschäftsführer des größten europäischen Nachrichtenmagazins ‚Euractiv‘, Thomas Franke, als Referenten und Diskussionsleiter.

Jammern auf hohem Niveau?
„Zunächst einmal dürfen wir nicht vergessen, dass es auch Jammern auf hohem Niveau ist“, betont Thomas Franke, der den Wirtschaftsstammtisch mit einem Vortrag über Marketingstrategien zur Wirtschaftsförderung beginnen wird. „Stormarn ist einer der reichsten Landkreise in Deutschland, nur noch getoppt vom Umland von München und Frankfurt “, so der vierfache Vater, aus Delingsdorf bei Bargteheide. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt deutlich unter dem schleswig-holsteinischen Durchschnitt und während in vielen Gemeinden das Schlagwort ‚demographischer Wandel‘ Angst und Schrecken verbreitet, erfreut sich Trittau nach wie vor großer Beliebtheit bei jungen Familien; in den letzten 30 Jahren ist die Einwohnerzahl nicht wie in vielen anderen Orten gesunken sondern vor allem durch Zuzug um bemerkenswerte 50% gestiegen. Nach einer Prognose aus dem vergangenen November werden bis zum Jahr 2030 etwa 12% mehr Einwohner im Amtsbereich leben. Das ist eine Bevölkerungsentwicklung, von der viele Gemeindeverwaltungen nur träumen können.

Also alles in Ordnung und kein Grund zur Aufregung? Stadtbild und Stadtsäckel sprechen eine andere Sprache: Das Schönaubad, während des Wahlkampfes als sozialer Sommer-Treffpunkt für Jung und Alt hochgelobt, soll aus Kostengründen nun doch geschlossen werden, und auch die Sauberkeit des Ortes leidet aktuell unter dem Sparzwang, nachdem die Mittel für diesen Etat um die Hälfte auf nur noch 80.000 Euro pro Jahr gekürzt werden mussten. Gewerbegebiete liegen brach, und die Verschuldungs-Ampel „steht zwischen dunkelgelb und rot“, wie der zweitplatzierte Bürgermeisterkandidat und Verwaltungsfachmann Eckhard Frahm in einer Diskussionsrunde betonte.

„Wenn man fragt: ‚Wovon lebt eigentlich eine Gemeinde? ‘ – dann ist das der Anteil an Einkommensteuer und vor allem die Gewerbesteuer“, erläuterte Thomas Mertens-Ammermann, ehemals Bürgermeister-Spitzenkandidat der CDU währende des Wahlkampfes. „Die Einkommensteuer kann ich nicht unbegrenzt steigern, es sei denn, ich will, dass nur noch Millionäre nach Trittau ziehen. Und die Einnahmen aus der Gewerbesteuer schwanken je nach Konjunkturlage: Ist die Konjunktur gut, sind die Einnahmen auch gut, ist sie schlecht, gehen die Einnahmen zurück, Diesen Effekt kann man abfedern, je mehr unterschiedliche Gewerbe in Trittau Steuern zahlen“, so Mertens Ammermann.

Florierende Unternehmen und Neuansiedlungen könnten also eine Lösung für die Zukunft Trittaus sein. Aber wie macht man das, Herr Franke?

USP – Für was steht Trittau?
„Es genügt nicht damit zu werben, in der Nähe der Metropolregion Hamburg zu liegen. Gute Schulen und ein großes kulturelles Angebot – damit werben andere auch“, betont Thomas Franke, der neben seiner Geschäftsführertätigkeit unter anderem auch die‚ Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Hannover‘ unterstützt. „Es geht im Kleinen wie im Großen immer darum, seine Einzigartigkeit, sein USP (Unique Selling Point) herauszuarbeiten und zu präsentieren“, so Franke. „Die Chinesen gehen nach München, weil die dort das Oktoberfest haben, andere zieht es nach Berlin oder Hamburg, um eine 030 oder 040 Telefonvorwahl zu haben. Unternehmer sind auch Menschen“, fährt er fort, „und möchten, dass ihr Unternehmen berühmt wird. Also spielen bei der Standortsuche neben wirtschaftsökonomischen Fakten wie Mieten, Gewerbesteuer und Zugang zu Fachkräften auch psychologische Faktoren ein Rolle; Was ist gerade sexy, wo möchte man hin“, so Franke.

Für was also steht Trittau? Und für welche Firmen könnte es attraktiv sein oder gemacht werden? Die Frage nach dem ‚Unique Selling Point‘ muss sich nicht nur jeder Unternehmer und jede Unternehmerin stellen, um sich vom Angebot der Mitbewerber abheben zu können, die gleiche Frage gilt auch für Wirtschaftsstandorte, die deutschlandweit um Neuansiedlungen konkurrieren.

Trittau darf kein Schlafdorf werden
Als weiteren wichtigen Punkt nennt der Marketingexperte das Stichwort ‚Lokalpatriotismus‘. Für den Trittauer Einzelhandel ist es durchaus ein Problem, dass in den letzten Jahren zwar viele junge Familien zugezogen sind, die meisten von ihnen aber zur Arbeit nach Hamburg pendeln. „Trittau darf kein Schlafdorf werden“, war einer der Slogans des Bürgermeisterwahlkampfs, denn von den 3000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die zur Zeit in Trittau leben, arbeiten nur 500 hier, alle anderen pendeln. Und wer sowieso schon unterwegs ist, kann seine Einkäufe natürlich ohne Weiteres auch unterwegs erledigen. Wie schafft man es also, Kunden an den Ort zu binden, zumal während des Wahlkampfes immer wieder von einer Kluft zwischen alteingesessenen Trittauer Bürgern und den ‚Zugezogenen‘ gewarnt worden ist. Wie kann ein „Wir“-Gefühl entstehen, so dass die Entscheidung, wo man kauft, zugunsten „lokal und vor Ort“ getroffen wird, auch wenn möglicherweise die Auswahl etwa in Hamburg größer und die Flasche Mineralwasser dort zehn Cent günstiger ist?

Trittau: Relativ reich aber trotzdem sexy?
„Berlin ist arm aber sexy“ lautet der oft zitierte Slogan des Berliner Oberbürgermeister Klaus Wowereit, und auch wenn man bei der Wirtschaftspolitik der Hauptstadt oft mehr den Eindruck von Chaos statt Plan hat, so haben Stadt und Region in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen geschickter Marketingstrategien eine große Zugkraft als Wirtschaftsstandorte gewonnen.

Trittau ist daran und an seiner Größe gemessen solide und in einer durchaus komfortablen Lage. Aber in einer Zeit, in der man innerhalb einer Generation Aufstieg und Niedergang einer Weltmarke wie ‚Nokia‘ erleben kann, bedeutet Zurücklehnen und ‚Stillstand‘ nichts anderes als ‚Rückschritt‘. Und das wird von Märkten und Wirtschaft heutzutage sehr schnell und sehr hart abgestraft.
Es lohnt sich also, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen und den Roten Faden für die Zukunft zu knüpfen. Aber vor dem ‚Weichen-Stellen‘ sollte man miteinander sprechen.
SG

 

Der 1. Offene Wirtschaftsstammtisch Trittau findet am Donnerstag, dem 27.11. 2014, ab 19.00 Uhr im Technologiepark statt, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Eingeladen sind alle Unternehmerinnen und Unternehmer des Amtes Trittau. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

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