25 Jahre Gleichstellung in Stormarn: Wir waren eingeladen!

pioneer-badge-11055Liebe Netzwerkerinnen, liebe Leserinnen und Leser,
25 ist in Jahren eine beachtliche Zahl. Wer schafft heutzutage schon sein 25jähriges Dienstjubiläum? (… und wie viele Paare feiern mittlerweile eigentlich den 25. Hochzeits- oder Kennenlerntag … noch gemeinsam?) Ein Vierteljahrhundert bedarf im Allgemeinen schon eines etwas längeren Atems.
25 Jahre Gleichstellung in Stormarn ist also ein beachtlicher Jahrestag, der gefeiert werden muss. Wurde er auch, und zwar mit einem hochkarätigen Programm, das die amtierende Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn , Birte Kruse-Gobrecht, am Samstag, den 7.11.2015 in Bad Oldesloe ihren geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft kredenzte.
Das sfs-Netzwerk wurde auf der Veranstaltung im Kreistagssitzungssaal in Bad Oldesloe von unseren Netzwerkerinnen Silvia Bischoff und Illa G.Graw vertreten. Und die beiden kamen angesichts der hochinteressanten Vorträge und Foren aus dem Staunen nicht mehr heraus …

Wem ist schon bewusst, dass die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes eine paritätische Zusammensetzung des Bundestages – 50% Männer, 50% Frauen – festgeschrieben haben, doch sich heute niemand mehr an diese fifty-fifty Regelung erinnert (oder erinnern mag?). Kein Wunder, denn sie wurde de facto noch nie eingehalten, wie Prof. Dr. Silke Ruth Laskowski von der Universität Kassel in ihrem Vortrag zum Thema Gleichstellung ausführte. Bayrische Juristinnen haben nun Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, so Prof. Laskowski, und man dürfe gespannt sein, wie der oberste Gerichtshof entscheiden wird.

Im nächsten Vortrag ging es nicht um Politik, sondern um ein Thema, das auch dem sfs am Herzen liegt: In ihrem unterhaltsamen Vortrag wies Marion Knaths von der Coaching Agentur „sheboss“ aus Hamburg auf die Unterschiede in der verbalen und nonverbalen Sprache zwischen Männern und Frauen hin, und auf die Notwendigkeit, diese Unterschiede zu verstehen, um auf einem Karriereweg in Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen und Vorgesetzten bestehen zu können. It’s a man’s world – nach wie vor?

Im Anschluss an die inspirierenden Eingangsvorträge durften sich alle Gäste für eines von insgesamt drei angebotenen Foren entscheiden, um wichtige Themen der Gleichstellung mit den jeweiligen Expertinnen auf diesem Gebiet zu vertiefen: Forum 1: Frauen in der Politik, im Forum 2: Frauen in Führung oder im Forum 3: Vereinbarkeit Familie und Beruf.

head-302082Für Silvia und Illa keine schwierige Entscheidung, denn der Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Sprache ist auch ein wichtiges Thema beim sfs.
Im Rahmen eines kleinen Workshops wurde in Bad Oldesloe dann tatsächlich geübt; Marion Knaths zeigte anhand einiger Übungen, wie „FRAU“ sich mit ihrer Stimme, ihrer Gestik und ihrer Formsprache den imaginären männlichen Kollegen und Vorgesetzten gegenüber optimal – das heißt: tendenziell männlich – positionieren sollte.

Ein spannendes Feld, denn im Gegensatz zu Frau Knaths, die Frauen in Führung zu einem eher männlichen Auftreten rät und mit Hilfe ihres (männlich orientierten) Verhaltenscoachings eine Karriere in einem männlichen Arbeitsumfeld erleichtern möchte, betonte unser Referent Markus Graw in seinem exzellenten sfs-Vortrag „Gender Speak“ im Juni dieses Jahres die Vorteile eines gegenseitigen Verständnisses und (sprachlicher) Annäherung zwischen Männern und Frauen. Nur wer authentisch sein darf, so Graw im Juni, schöpft sein volles Potenzial aus und kann es dem entsprechenden Arbeitgeber in der optimalen Ausprägung zur Verfügung stellen. Diesem Ansatz folgend müssten Männer in der Zukunft also auch die Sprache der Frauen lernen, und nicht nur Frauen sich den Männern anpassen (Eine Zusammenfassung von Markus Graws Vortrag findet Ihr unter: http://sfs-netzwerk.de/da-roehrt-der-hirsch-die-schwierige-kommunikation-zwischen-maennern-und-frauen/ Und für alle, die den Vortrag verpasst haben oder noch einmal hören möchten, sei an dieser Stelle erwähnt, dass wir im kommenden Jahr einen weiteren Termin mit Markus Graw planen!).

Die Wahrheit liegt vermutlich wieder einmal irgendwo in der Mitte; kurz- und mittelfristig mag der Ansatz von Marion Knaths für Frauen in Führung, die verbale und nonverbale Sprache der oft noch männlich dominierten Arbeitswelt zu verstehen und sich darauf einzulassen, ganz sicher hilfreich sein und den Berufsalltag erleichtern. Langfristig werden aber ALLE von einem größeren gegenseitigen Verständnis, wie es Markus Graw auf der Basis soziologischer und psychologischer Studien gefordert hat, profitieren.

Nach der Veranstaltung, die mit angeregten Gesprächen bei Kaffee, Tee und leckerem Kuchen in der Kantine im Untergeschoß des Sitzungssaales beendet wurde, waren sich unsere Vertreterinnen Silvia und Illa in ihrem gemeinsamen Fazit allerdings kurz-, mittel- und langfristig einig: Die Veranstaltung zu 25 Jahren Gleichstellung in Stormarn war ein sehr bereicherndes und gelungenes Jubiläum für alle, denen Gleichstellung nicht gleichgültig ist.

Chapeau an die amtierende Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn, Birte Kruse-Gobrecht, und eine sprachlich einwandfreie Rest-Woche wünscht Euch

Euer sfs

Copyright: Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2015

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