Der sfs im Gespräch mit: Angela Waßmann, Bauleiterin und Energieberaterin

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Angela Waßmann IBWAuch Angela gehört zu den sfs-Netzwerkerinnen der ersten Stunde und ist eines der Beispiele dafür, wie Netzwerken funktioniert: Lange Zeit teilte sie sich mit unserer Vorsitzenden Helly gemeinschaftlich Büro, Kaffeemaschine und Kopierer – und vermutlich mehr Stunden am (Arbeits-)Tag als die jeweiligen Ehemänner.
Aber Netzwerke helfen nicht nur Netzwerkerinnen, sondern haben auch für Kunden klare und unübersehbare Vorteile: Seit letztem Jahr können Bauherren beispielsweise für Sanierungsprojekte ein hervorragend eingespieltes Dream-Team aus Angela als Bauleiterin und Illa als Innendesignerin im Doppelpack buchen – EINE Lösung für zwei Problemfelder, die sehr gut ankommt.
Wenn Ihr also demnächst hochzufrieden in Eurer neu sanierten Altbauwohnung steht, deren Umbau fast „geräuschlos“, im Zeit- und Budgetrahmen und vor allem: ohne Krisen und Nervereien abgelaufen ist, zudem alles noch viel besser ist und aussieht, als Ihr es Euch vorgestellt habt: –, dann bedankt Euch bei den beiden. Und beim sfs, der solche Kooperationen möglich macht!
Wie bei vielen Gründerinnen war aber auch Angelas Weg zur erfolgreichen selbständigen Bauleiterin und Energieberaterin nicht ohne Stolpersteine. Aber lest selbst, wie vor 19 Jahren die Geschichte des IBW – Ingenieurbüro Waßmann — begann und Angela mit der Frage beschäftigt war, wie sie einen (damals) typischen Männerberuf und ihren kleinen Sohn unter einen Hut bringen sollte …

 

„Man muss wissen, welche Konstitution man mitbringt,
und ob man durchhalten kann.“

Seit wann bist Du selbständig, und was hat den Ausschlag für Deine Selbständigkeit gegeben, Angela?

Ich bin seit 1999 selbständig. Mein Mann und ich waren gerade von Hamburg nach Hamfelde auf’s Land gezogen, unser Sohn war ein Jahr alt und für mich stellte sich  die Frage, wie’s beruflich weitergehen sollte.
Vor der Geburt unseres Babys hatte ich schon viele Jahre als angestellte Bau- und Projektleiterin in verschiedenen Firmen gearbeitet, aber es war von vorneherein klar gewesen, dass mein Beruf, der mir immer viel Spaß gemacht hat, und Familienplanung nicht gut zusammenpassen.
Bauleiter mussten damals immer erreichbar sein, und es konnte schon passieren, dass ich von frühmorgens bis spätabends auf einer Baustelle war. Für solche Arbeitszeiten gab es vor 17 Jahren keine Kinderbetreuung, eine Oma hatten wir auch nicht in der Nähe – aber abgesehen davon, hätte ich mein Kind auch nicht so lange abgeben wollen.

Das war der Grund für meine Selbständigkeit. Mir war klar, dass ich hauptsächlich nur abends und an den Wochenende arbeiten können würde, aber die Disziplin und Kondition dafür traute ich mir zu – wenn ich was will, dann mach‘ ich das auch. Und meine Arbeitszeiten kamen natürlich auch vielen Bauherren entgegen, denn ein Eigenheim bauen viele in ihrer Freizeit – also abends und am Wochenende.

Was genau bietest Du an?

Baumanagement und Energieberatung, von der ersten Konzeptidee bis zur Abnahme (mittlerweile bis zur Begehung nach Abnahme zur Gewährleistungsfrist). Ich betreue große Projekte und kleine, Neubau oder Altbausanierungen. Genau diese Vielfalt finde ich sehr spannend, und am Ende bin ich erst zufrieden, wenn meine Bauherren – sowohl Häuslebauer als auch „Großbauherren“ – rundum zufrieden sind.

In den letzten Jahren ist energiesparendes Bauen und Sanieren immer wichtiger geworden, ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Als Energieberaterin setze ich alles daran, gerade bei der Sanierung von Altbestand die bestmöglichen bauphysikalischen und haustechnischen Lösungen zu finden. Das beginnt meistens mit einem Energiegutachten, um überhaupt erst einmal den Bestand und verschiedene Sanierungsvarianten wirtschaftlich zu prüfen, danach kommen alle weiteren Schritte.

Ibw Angela Waßmann der sfs im GesprächWie bist Du vorgegangen? Wie hast Du Dich etabliert?

Mein Beginn ist heute schon fast zum Lachen: Ich mit meinem kleinen Sohn auf dem Arm und einer Liste mit den Faxnummern von Architekten und Architekturbüros aus der Umgebung – ich hab‘ sie alle angefaxt.
Auf diese Aktion hat sich nur eine einzige Architektin aus Ahrensburg gemeldet, die tatsächlich gerade nach einer Bauleitung gesucht hat – wir arbeiten übrigens immer noch zusammen.

Aber ein Anfang war gemacht, und nach und nach sind immer mehr tolle Projekte entstanden. Heute sind meine wichtigsten „Marketing-Instrumente“ Empfehlungen von ehemaligen Bauherren – Bauleitung ist Vertrauenssache, es steckt ja eine Menge Geld dahinter. Es freut mich sehr, dass meine Kunden so zufrieden mit meiner Arbeit sind, dass sie mich gerne weiterempfehlen und ich fast ausschließlich dadurch neue Aufträge bekomme.
Mittlerweile verzichte ich fast komplett auf Zeitungsanzeigen, Messestände oder Flyerverteilen – die Zeit investiere ich lieber in meine Projekte. Aber wenn ich in der Zeitung oder im Internet über ein spannendes Projekt lese, dann melde ich mich interessehalber schon mal per Email.

Das ist auch meine wichtigste Empfehlung an Gründerinnen: Die Frage „Was soll ich tun?“ sollte man durchaus auch unkonventionell beantworten und potenzielle Kunden direkt ansprechen – manchmal wird ein Dienstleister gebraucht, und man kommt gerade zur rechten Zeit.
Wichtig ist meiner Meinung nach auch, sich bei Kunden nach Abschluss eines gemeinsamen Projektes immer mal wieder in Erinnerung zu bringen. Mir ist es schon oft passiert, dass tatsächlich in dem Moment, in dem ich geschrieben oder angerufen habe, eine Bauleitung gesucht wurde und ich den Auftrag bekommen habe.

 

„Jedes Bauvorhaben hat Anspruch auf bestmögliche Umsetzung – egal, wie groß es ist.“

Was gefällt Dir besonders an Deinem Beruf und an Deiner Selbständigkeit?

IBW Energieberatung Angela Waßmann der sfs im GesprächJeder Tag ist anders, es gibt keine Routine. Wenn ich morgens mit meiner Arbeit beginne, weiß ich nie, wie der Tag enden wird. Die Zusammenarbeit mit Bauherren, die Vielfalt ihrer Vorhaben und Konzeptideen macht meinen Beruf spannend und abwechslungsreich. Jedes Projekt bringt – egal, ob groß oder klein – seine ganz eigenen Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten mit sich – das gefällt mir.
Ich bin froh, dass ich damals den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen bin. Im Nachhinein sehe ich in einer eigenen Firma die ideale Lösung für Mütter, die während der Zeit, in der die Kinder klein sind, beruflich nicht völlig „Weg vom Fenster“ sein wollen.
Ich hätte niemals auf meinen Beruf verzichten mögen, auf meine Kinder natürlich auch nicht. Als Selbständige kann man einerseits mit seinem Job am Ball bleiben, die Arbeit aber auch so dosieren, dass noch genügend Zeit für die Familie bleibt. In dieser Zeit muss man ja beruflich keine großen Sprünge machen und nur versuchen, kostendeckend zu arbeiten.
Sobald die Kinder größer sind, und „Mama“ nicht mehr so gefragt ist, hat man sich die Plattform und den Kundenstamm erarbeitet, mit dem man durchstarten kann. Keine Mutter sollte sich nach der Kinderpause auf dem Arbeitsmarkt ein „Zu alt“ oder „Zu lang raus aus dem Job“ anhören müssen.

Wo liegen die Risiken, Stolpersteine aus Deiner Sicht?

ibw TreppenDer alte Spruch, dass es fünf Jahre dauert, bis man mit seinem Unternehmen ein festes Standbein hat, gilt. Diese fünf Jahre sollte man nicht unterschätzen!
Das hat nicht nur mit Bekanntheit, Werbung oder der Zahl der Aufträge zu tun, sondern vor allem auch damit, dass man seine richtige Form finden muss und lernt, seine Kapazitäten und Arbeitskraft richtig einzuteilen und seine Kostenrechnung in den Griff bekommt.

Obwohl ich in meinem Job ständig kalkulieren muss, fand ich am Anfang meiner Selbständigkeit das betriebswirtschaftliche Gesamtpaket schwierig: Welchen Preis muss ich verlangen, welche Steuern und Versicherungen werden fällig – alles Fragen, die gelegentlich für viele Überraschungen bei Selbständigen sorgen können.
Und obwohl ich jetzt schon lange dabei bin, habe ich mir beispielsweise nach Anjas tollem Workshop „Was ist Dein Preis“ meine Zahlen noch einmal ganz genau vorgenommen. Kostenrechnung hört nie auf, solange man selbständig ist, das ist ein „Dauerbrenner“ genauso wie Text für die Homepage.

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen dem Leben als Angestellte und der Selbständigkeit?

Die Freiheit und Flexibilität auf der einen Seite, die Verantwortung auf der anderen Seite. Als Selbständige muss ich flexibler sein, mehr dazulernen und über den Tellerrand gucken können. Gerade in der Anfangsphase ist es manchmal auch ganz schön stressig, und gerade wenn man Kinder hat, sollte man sich vorher die Frage stellen, ob man die Konstitution hat, auch schwierige Phasen durchzustehen.

Welchen Tipp kannst Du aus heutiger Sicht zukünftigen Gründer(inne)n geben?

IBW Angela Waßmann sfsMein Tipp ist, sich schon frühzeitig auch um die Dinge zu kümmern, die bei einer Gründung vielleicht weniger Spaß machen: Steuern, Versicherungen, Kostenrechnung. Man muss sich darüber klar sein, dass man als Selbständige für alles die Verantwortung trägt und nicht nur für seinen eigentlichen Beruf, der Spaß macht, zuständig ist.
Ich arbeite sehr, sehr gerne im Team, eine Einzelkämpferin bin ich nicht. Deswegen fand und finde ich Netzwerke wie den sfs so toll; wir sind zwar kein fachliches Team, haben aber alle trotz unterschiedlicher Berufe in vielen Bereichen ähnliche Ziele und Interessen, die wir gemeinsam verfolgen. Gemeinsam über den Tellerrand gucken und nicht nur kurzfristig den eigenen beruflichen Erfolg im Blick haben – das ist mir wichtig und psychologisch eine große Unterstützung!

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus?

Im Prinzip soll alles so weitergehen wie bisher. Meine Jüngste ist jetzt neun Jahre alt und wird, zumindest gefühlt, von Minute zu Minute größer und selbständiger. Ich bin immer da, wenn meine Kinder mich brauchen, genieße es aber auch, wenn ich Zeit für meine (Bau)-Projekte habe. 🙂
Einen „großen“ Plan habe ich, aber über den muss ich noch nachdenken. Verraten wird noch nichts – bis zum nächsten Interview.

Wie verbringst Du am liebsten Deine freie Zeit?

Angela Waßmann IbwMeine Freizeit muss mit Bewegung und frischer Luft zu tun haben: Walken, Skifahren, Fahrradfahren. Ich mag Live-Musik und Open Air Konzerte, am liebsten auf der Reeperbahn.
Eine gute Freundin hat einmal zu mir gesagt, dass das letzte Kind Fell hat. Das scheint sich zu bewahrheiten, denn im Juli werden wir unser viertes „Kind“ bekommen – einen kleinen Mischlingshund aus Rumänien, den wir adoptiert haben, und auf den wir uns alle schon sehr freuen!

 

 Und sonst…
standen Beruf und ihre Berufung für Angela schon lange in den Sternen. Silvia Bischoff, Feng Shui Beraterin:

In Angelas Horoskop arbeiten alle Komponenten gut zusammen, sonst würde sie das, was sie alles auf dem Zettel hat auch nicht schaffen.
Angela geht ihre Arbeit systematisch, geordnet an und setzt auf bewährte Methoden, aber sie hat auch immer alle Augen und Ohren offen für interessante Neuerungen, die sie in ihrer praktischen Vernunft zum Wohl ihrer Kunden einsetzt.

Wer Angela beispielsweise als Bauaufsicht engagiert, kann sich entspannt zurücklehnen. Sie übernimmt die Verhandlung mit den Handwerksunternehmen und spricht deren Sprache; sie weiß genau, was geht und was nicht. und lässt sich kein „X“ für ein „U“ vormachen. Wer das versucht, hat Pech gehabt, denn Angela ist zwar friedfertig und diplomatisch, aber sie hat eben auch viele Jahre Berufserfahrung und Knowhow auf allen Gebieten rund um’s Bauen – und sie weiß, was sie will, und was gut für ihre Kunden ist.
Angela ist fröhlich, immer voller Ideen und Tatendrang, hilfsbereit, begeistert und motivierend, dabei hat sie immer Familie und Freunde im Blick. Das, was sie auf dem Zettel hat und leistet, ist ein enormes Pensum – wer so einen vollen Tag hat, dem sehen wir natürlich gern die üblichen 5 Minuten Verspätung nach! 🙂

 

Mehr zu Angela Waßmann – mit oder ohne Feng Shui – sind zu finden unter folgenden Weblinks:
Homepage: http://www.ibw-trittau.de/
Aktuelle Projekte und Bewertungen bei beratung.de: https://beratung.de/ibw-ingenieurbuero-wassmann-angela-wassmann_ecdudo

Copyright:

Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2016
Feng Shui Silvia Bischoff, http://www.fengshui-bischoff.de/
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert, http://www.bildbiographien.de/

Bildnachweis:

Angela Waßmann,IBW

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