Der sfs im Gespräch mit: Elisabeth Knorr-Rosenkranz, Damen Maßschneiderin, Schnitt-Directrice, Gründerin der kleinen Nähkreise im Atelier:

P1050047Wer glaubt, Marketing wären Internet, Homepage und gelegentlich eine Zeitungsannonce, irrt – und sollte sich dringend mit unserem Mitglied Elisabeth unterhalten.
Elisabeth ist eine unserer Dienstältesten, aber an Ideen und Inspirationen steckt sie uns nach wie vor alle in die Tasche. Als gelernte Direktrice und Damen Maßschneiderin hat sie in ihrer langjährigen Karriere auch professionelle Ausflüge unter anderem in die Bereiche Grafik und Layout unternommen, und „Entwerfen“ noch ganz ohne Computer von der Pike auf gelernt.

Ihr Verständnis für Farben und Formen sieht man nicht nur an den Kreationen, die unter ihrer Anleitung in ihren kleinen Nähkreisen im Atelier in Braak bei Hamburg entstehen oder an den Näharbeiten ihrer begeisterten Schülerinnen an verschiedenen Schulen in Barsbüttel, denen sie das Schneidern beibringt. Bei ihr ist einfach nichts von der Stange, nicht einmal ihre Werbemittel. Somit ist es ein besonderes Vergnügen, sich mit Elisabeth über Näh- und Marketingideen, Layouts und Aktionen zu unterhalten:

„Offen eingestandene Fehler werden
meistens verziehen.“

Seit wann bist Du selbständig, und was hat den Ausschlag für Deine Selbständigkeit gegeben, Elisabeth?
Ich bin seit 1980 selbständig und habe unter anderem ein kleines Atelier für Hobbyschneiderinnen in Braak. Meine Kundinnen fertigen unter meiner Anleitung ihre eigenen textilen Projekte, von Kleidung über Taschen und Heimtextilien bis zu Deko-Artikeln, eben alles, was nähbar ist. Zusätzlich biete ich Typ- und Stilberatung an.
Einen richtigen „Ausschlag“ zur Selbständigkeit hatte es eigentlich nicht gegeben, meinen Angestelltenjobs waren immer vielfältig und interessant. Ich wollte mein Handwerk leben nach meinen eigenen Ideen.Elisabeth1
Nach meiner Ausbildung habe ich 1971 mein Diplom als Direktrice gemacht, habe in dieser Position in Berlin und Hamburg gearbeitet und für’s Design eine private Kunstschule in Hamburg besucht. Schließlich war ich bis 1979 als Direktrice in der Schnittmusterabteilung und als Modezeichnerin in der technischen Redaktion der Zeitschrift „Neue Mode“ des Heinrich Bauer Verlages tätig – bis ich mich entschloss, mein eigenes Atelier in der „Alten Stellenmacherei“ in Braak zu eröffnen. Dort haben übrigens auch schon mein Vater und mein Großvater als Holzhandwerker gearbeitet.

Was genau bietest Du an?
Ich bin Dienstleisterin für textiles Gestalten. In meinem Atelier biete ich Damen die qualifizierte fachliche Begleitung ihrer Projekte an, egal in welchem „Entwicklungsstadium“ sie sind, und welche Unterstützung sie brauchen. Maximal sechs Teilnehmerinnen treffen sich in meinem Atelier zum Entwerfen, Designen und Nähen. Motivation ist dabei unerlässlich, alles Weitere erarbeiten wir gemeinsam. Mit Erfolgsgarantie!

Elisabeth3bWie bist Du vorgegangen? Wie hast Du Dich etabliert?
Das war nicht immer einfach, aber dafür sehr lehrreich! Gestartet bin ich mit kleinen Gruppen, die sich vor allem über meinen Freundeskreis gefunden haben. Ich habe Nähkurse bei Karstadt in Wandsbek gegeben und selbst entworfene und gestaltete Handzettel von Briefkasten zu Briefkasten verteilt, mit kleinen Erfolgen.
Danach habe ich kleine Plakate – natürlich selbst entworfene! – in der Umgebung verklebt. Aus Großhansdorf bekam ich daraufhin einen Anruf mit der Aufforderung, die Plakate umgehend wieder zu entfernen. Für mich war dabei bemerkenswert, dass sich der eigentlich negative Anlass ins Positive umkehren ließ, denn nach einem längeren Telefonat mit dem wohlwollenden Bürgermeister bekam ich für meine Werbezwecke eine eigene Ausstellungsvitrine im Standesamt. Ich habe meine Auslage unter anderem mit schwarzen, selbstkreierten Dessous bestückt, musste sie aber nach der Intervention einiger angestellten Damen des Standesamtes wieder abräumen. Insgesamt eine spaßige Aktion, leider war sie für mein Angebot nur wenig erfolgreich.
In einer Zeit, in der Hobbyschneidern nicht soo angesagt war, musste ich umdenken. Der Bereich Farb- und Stilberatung kam zu meinem Angebot dazu, außerdem suchte ich mir einen starken Partner, der in der gleichen Zielgruppe tätig war wie ich. Mein Ziel: der Einzelhandel, für mich damals Karstadt. Mit großem Aufwand ist es mir schließlich gelungen, die Einkaufsabteilung von Karstadt für meine Idee zu gewinnen. BINGO! Im Jahr 2004 starteten meine Life-Promotions zum Thema Hobbyschneidern in den umliegenden Karstadt-Filialen, also in Wandsbek, Bergedorf, Billstedt, Bramfeld und Lübeck, die im Vorfeld von Karstadt mit Plakaten, Handzetteln und Visitenkarten angekündigt und beworben worden sind. Das Kundenfeedback war riesig, und einige der damals angeworbenen Damen sind bis heute meine Kundinnen.
Mittlerweile werbe ich viel über Internetforen und Anzeigenportale, habe aber auch einen Schaukasten am Straßenrand, ein Elisabeth4beigenes Werbekissen im Auto und, und, und.

„Ganz wichtig sind mir Netzwerk-Kontakte!“

Was gefällt Dir besonders an Deinem Beruf und an Deiner Selbständigkeit?
Mein Beruf ist im allerschönsten Sinne für mich maßgeschneidert. Er erfüllt alle meine Bedürfnisse bezüglich Kreativität und der handwerklichen Anforderung bei ihrer Umsetzung, Farb- und Stilempfinden, beim technischen Verständnis unter besonderer Berücksichtigung der menschlichen Anatomie. Daneben braucht es natürlich auch Kenntnisse in Kundenmotivation, Teamgeist, Menschenfreundlichkeit und ein gewisses Maß an Psychologie. Und ein wachsames Auge für Kosten-Nutzen-Relation.
Ich liebe einfach die Freiheit der Eigenverantwortlichkeit und die Herausforderung! Alles, was ich jemals im Leben lernen konnte, ist für meine Arbeit im Atelier bestens geeignet.

Wo liegen die Risiken, Stolpersteine aus Deiner Sicht?
Oberstes Gebot war und ist in meinen Augen für Selbständige die Identifizierung mit dem eigenen Produkt oder der Dienstleistung. Daneben sollte eine gewisse Risikobereitschaft vorhanden sein, und die ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Alles andere ist eine Frage der Abwägung. Jede Branche hat bezüglich ihrer Rendite eine eigene Realität, und die sollte bekannt sein. Große Investitionen erfordern eine gute Rücklage, ansonsten drohen Arbeiten im „Hamsterrad“ oder sogar Insolvenz. Und Elisabeth5bman sollte sich im Klaren sein, dass das Brutto in der Kasse nicht gleich das Netto im Leben ist. Man sollte sich also die Frage stellen, WIEVIEL man WOVON im Leben braucht. WIEVIEL bin ich bereit zu arbeiten? Wie wichtig ist es mir, authentisch zu sein und Zeit für die wichtigen Dinge in meinem Leben zu haben? Wie viel Kraft habe ich im Notfall und wie erhalte ich sie mir? Und zu guter Letzt: es wird immer Schwankungen in der Kundenfrequenz geben. Kann ich mich darauf einstellen und motiviert bleiben?

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen dem Leben als Angestellte und der Selbständigkeit?
Die unendlichen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung als selbständig arbeitende Frau.
Selbständiges Arbeiten ist eine große Herausforderung an alle Sinne; Intellekt, Lebenskraft, Kreativität und Originalität werden „gekitzelt“. Oder auch nicht. Wollte ich das alles als Angestellte, würde ein einziger Arbeitgeber einfach nicht ausreichen.

Welche „Mythen“ sollten wir (alle) aufgeben?
Selbständigkeit führt nicht automatisch und geradeaus zu Reichtum!

Welchen Tipp kannst Du aus heutiger Sicht zukünftigen Gründer(inne)n geben?
Wenn ihr im Inneren den Wunsch nach Eigenverantwortlichkeit im Leben und bei der Arbeit verspürt, dann traut Euch was zu! Seid individuell und kommuniziert das auch so. Die Zeit ist günstig für leistungsfreudige und ideenreiche Menschen!

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus?
Ich möchte weiterarbeiten wie bisher, immer inspiriert durch Menschen – Kunst – Kultur – Materialien – Technik und Gesellschaft.Elisabeth2b

Wie verbringst Du am liebsten Deine freie Zeit?
Ich entspanne am liebsten bei der Gartenarbeit in meinem Waldgarten und habe sehr große Freude an der Vitalität der Natur, die ich gerne mit Gleichgesinnten teile. Dann liebe ich natürlich das Nähen meiner Kollektionen und Accessoires, schätze generell Kunst und Kultur und bin gerne auf Kurzreisen. Ich fahre regelmäßig Rad und schwimme, außerdem wandere und tanze ich gerne. Ich pflege meinen großen Freundeskreis und mag auch in reiferen Jahren Lust und Liebe.

Und sonst…
sind bei Elisabeth Beruf und Berufung ein und dasselbe. Silvia Bischoff, Feng Shui Beraterin: Entsprechend ihrem chinesischem Horoskop treffen bei Elisabeth enorme Energie, Erfindungsgabe und ein scharfer Blick fürs Detail aufeinander und helfen dabei, allen ( Business)Frauen zu zeigen, dass wir mit Stil und dem richtigen Griff für die jeweils passenden Farbe/ Garderobe einerseits viel Geld sparen können, andererseits allein mit dem richtigen Outfit und Auftritt unser Geschäft beträchtlich voranbringen können. Kleider machen eben Leute.
Ihre Begeisterung für alles Neue, systematisch kombiniert mit bewährten Methoden, Ausdauer, Geduld und Wissbegierde lassen nicht nur kreative neue Ideen sprudeln, sondern helfen Elisabeth, sich immer wieder neu zu erfinden und den Erfordernissen der Zeit anzupassen.

Nähkurs - Präs. Karstadt Wandsbek

 

 

Weblinks:
Der direkte Draht zu Elisabeth (Fragen, Wünsche und Terminabsprachen): marielieza@yahoo.de

Copyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2015
Feng Shui Silvia Bischoff http://www.fengshui-bischoff.de/
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert http://www.bildbiographien.de/

Bildnachweis:
Elisabeth Knorr-Rosenkranz

 

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