Der sfs im Gespräch mit: Helga Struwe, Radreiseveranstalterin

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Helga ist seit den ersten Gründungstagen beim sfs und hatte zu diesem Zeitpunkt eigentlich ihr erstes Berufsleben beendet. Eigentlich. Denn nach ihrer Traum-Fahrradtour: „In 175 Tagen um die ganze Welt – mit dem Fahrrad von Athen nach Peking“ (ein halbes Jahr und 14.000 km auf dem Fahrrad entlang der Alten Seidenstraße durch insgesamt 10 Länder) stand für sie fest, dass sie keinesfalls nur Rentnerin sein wollte.

Um die Tour mitfahren zu können, hatte Helga Altersteilzeit beantragt. Damals war sie 63 Jahre alt und nach ihrer Rückkehr plötzlich Rentnerin. Wehmut stellte sich ein, zumal wie so oft die Rente nicht ausreichte, um den gewohnten Lebensstil – vor allem ihre schöne Wohnung – aufrecht zu erhalten.
Der Tipp eines guten Freundes gab schließlich den entscheidenden Ausschlag und ließ nach einer lehrreichen Anfangszeit sowohl Wehmut wie auch finanzielle Sorgen verfliegen. Wie man aus seiner Leidenschaft eine zweite Karriere macht: http://www.opndrahtesel.de/

„Mein Motto: Aktiv und bewusst leben“

Was hat den Ausschlag für Deine Selbständigkeit gegeben, Helga?
Nach meiner Rückkehr von meiner Fahrradtour „von Athen nach Peking“ fühlte mich wehmütig, Trittau war klein und meine finanzielle Perspektive nicht sehr rosig als Rentnerin! Es wäre vernünftig, eine andere Wohnung suchen.Ringelgänse-2011-0241-e1428248642192
„Wieso? Verdien‘ doch dazu und wohne weiter so wie bisher“, sagte einer meiner guten Freunde. Genial, dachte ich! Auf die Idee war ich noch gar nicht gekommen! Ich war noch zu viel mit Selbstmitleid beschäftigt. Damit hatte er mich total ins Aktiv katapultiert. Ich hatte keine Zeit mehr für Wehmütiges.
Plötzlich entdeckte ich Seminare über Marketing, Buchhaltung für Selbstständige. Ich wurde mit dem Thema: „Sich-Selbstständig machen“ konfrontiert. Fast zur gleichen Zeit wurde das Netzwerk Selbstständiger Frauen ins Leben gerufen! Ich war fasziniert, neue Ideen stürmten auf mich ein und plötzlich hatte ich selbst viele!

Was genau bietest Du an?
Ich biete geführte Fahrradreisen an.

Wie bist Du vorgegangen? Wie hast Du Dich etabliert?
Einiges wollte ich nicht: Feste Arbeitszeiten haben, ausführen, was mein Chef von mir verlangte…
Ich war Rentnerin mit dem Luxus Zeit! Ich wollte meine Zeit frei einteilen können und etwas tun, was mir immer schon viel Spaß gebracht hatte.
Radfahrer-mit-Baum-Fotolia_42720082_M_CMYK-690x488Sollte es nicht klappen, würde ich alles wieder einstellen und mich um einen 450-Euro Job bemühen – so dachte ich damals. Ich legte mir eine finanzielle Grenze fest, die ich von meiner Altersvorsorge investieren wollte, und startete voller Begeisterung – und wie ich heute finde, recht blauäugig mit meinem Kleinunternehmen durch.
Soweit so gut – ich musste weiter investieren um mehrtägige Touren mit Übernachtung anbieten zu können. Laut BGB stieg ich damit ins Reiserecht ein und benötigte weitere Versicherungen. Ich belegte Seminar über Reisepauschalrecht und vieles mehr, probierte verschiedene neue Ideen und Touren.

 

„Auf dem Fahrrad fühle ich mich frei!“

Was gefällt Dir besonders an Deinem Beruf und an Deiner Selbständigkeit?
Die Vielseitigkeit! Meine Tätigkeit erfordert immer neue Ideen und neuen gedanklichen und körperlichen Einsatz von mir. Ich bin viel unterwegs, treffe neue Menschen, verhandele über Kooperationen und bin in der Natur unterwegs. Und fahre Rad!rapsbluete
Selbständig sein stellt allerdings auch Anforderungen, vor allem muss ich fit bleiben, denn es fahren verschiedene Altersgruppen mit mir. Ein Anreiz für mich selbst, auch in den Wintermonaten nicht auf der faulen Haut zu liegen und im Frühling gleich starten zu können Vor zwei Jahren habe ich deswegen meine Indoorcycle Trainerlizenz gemacht und gebe seitdem Stunden im Fitnessstudio.

Wo liegen die Risiken, Stolpersteine aus Deiner Sicht?
Nicht nur die Ideen zu haben, sondern auch die Interessenten zu finden, die genau das suchen.
Investitionen und Werbung unter Kontrolle zu halten. Natürlich sind sie wichtig, aber sie müssen bei meinem etwas schwierigen Saisongeschäft auch wieder hereingefahren werden.
Freie Mitarbeiter zu finden, um das Tourenangebot ausbauen zu können. Von einem gewissen Punkt an, fällt es schwer, alles allein zu machen.

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen dem Leben als Angestellte und der Selbständigkeit?
Selbst zu bestimmen.

Ringelgänse 2011 027Welche „Mythen“ sollten wir (alle) aufgeben?
Mal so ganz eben und schnell etwas auf die Beine stellen, klappt nicht – voller Einsatz ist schon nötig, besonders in der Anfangszeit. „Und dann hör‘ ich eben wieder damit auf“… Das geht auch nicht so einfach, eher probiert man immer wieder und immer wieder neue Ideen aus. Bis es dann schließlich funktioniert!

Welchen Tipp kannst Du aus heutiger Sicht zukünftigen Gründer(inne)n geben?
Begeistert sein von dem, was man tun möchte, auch eine Portion Ausdauer zu haben. Immer neu denken, neue Ideen haben
Sich nicht von seinem Alter bremsen lassen! Es ist unglaublich schön, dass man auch im Rentnerdasein etwas Neues auf die Beine stellen kann.

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus?
Ich werde mehr Fokus auf meinen Umkreis legen und verschiedene Arten von Touren anbieten. Für unser vielseitiges Schleswig Holstein wünsche ich mir, dass Gruppen oder Freundeskreise auf mich zukommen, die Touren bei mir „bestellen“. Unser „echter Norden“ ist so vielseitig, dass ich von mir aus die vielen Kombinationsmöglichkeiten gar nicht bieten kann. Ich bin aber selbst so viel unterwegs gewesen, habe so viel auf meinen persönlichen Wegen „erfahren“, dass ich auf Wunsch und zu Wunschterminen Touren zusammenstellen kann. Ich denke, dass hierin meine Stärke liegt.

Wie verbringst Du am liebsten Deine freie Zeit?

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Auf dem Fahrrad in der Natur…

 

 

Und sonst…
Stand Helgas zweite Karriere „Op’n Drahtesel“ schon lange in den Sternen. Silvia Bischoff, Feng Shui Beraterin: Dein chinesisches Horoskop bescheinigt Dir eine besondere Vielseitigkeit und Flexibilität. Du kannst spielerisch mit Problemen umgehen um sie zu lösen. Dies gepaart mit Entschlusskraft, Selbstvertrauen und Zuversicht lässt alle Anfangsschwierigkeiten dahinschmelzen. Mit Bewunderung habe ich in den letzten Jahren gesehen, dass Du das, was Dein Horoskop anliefert auch umsetzt. Du hast immer wieder eine neue Idee oder irgendwo ein Eisen im Feuer.
Der Hang zum Perfektionismus und zur Genauigkeit in der Planung Deiner Touren macht diese für Deine Mitreisenden zum unvergesslichen Erlebnis. Als gute Gastgeberin sorgst Du auch immer für einen guten Gasthof auf der Reise.
Die vorgenannte zweite Karriere zeigt tatsächlich auch der 10 Jahresrhythmus an, Dein Ehrgeiz nochmal groß herauszukommen wird unterstützt. Im Schafsjahr 2015 bieten sich viele berufliche Gelegenheiten, z.B. die beim NDR.

Aus dem aktuellen Programm: zu den Ringelgänsen
Aus dem aktuellen Programm: zu den Ringelgänsen

 

Mehr zu Helga und ihrer Firma „Op’n Drahtesel“ findet Ihr:
Auf ihrer Homepage: http://www.opndrahtesel.de/
Im NDR-Fernsehen: Der Fernsehbeitrag über  „Op’n Drahtesel“ zum Nachgucken:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Fahrrad-Tour-statt-Ruhestand,drahtesel100.html

(Beitrag vom 28.4.2015, um 18.45h in der Sendung DAS)

Copyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2015
Feng Shui Silvia Bischoff http://www.fengshui-bischoff.de/
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert http://www.bildbiographien.de/
Bildnachweis:
Helga Struwe, Op’n Drahtesel
Fotolia
Ringelgans: Schutzstation Wattenmeer

 

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