Nachlese „Frauen im Blick“: Die Netzwerkmeile in der Handelskammer Hamburg, 7. März 2016

Von Illa Gabriela Graw
Netzwerkmeile Frauen im BlickLiebe Netzwerkerinnen, liebe Leserinnen und Leser,
fürs Netzwerken ist es nie zu spät, oder?
Deshalb – wegen einer schusseligen Schlussredaktion leider spät, wegen der Aktualität der Themen dann aber doch irgendwie taufrisch – unsere Nachlese zur Netzwerkmeile „Frauen im Blick“ in Hamburg am 7. März 2016, dem Vorabend des Weltfrauentages:

Eine beeindruckende Veranstaltung! Die Industrie- und Handelskammern Lübeck und Hamburg, der Landesfrauenrat Hamburg e.V. und der Verband der selbständigen Frauen Schöne Aussichten hatten am Vorabend des Weltfrauentages eine Netzwerkmeile nur für Frauen veranstaltet.
Natürlich waren wir neugierig, und so machten sich Susanne, Silvia und Illa zusammen auf den Weg nach Hamburg, um zu gucken – und waren beeindruckt von der Fülle unterschiedlicher Frauennetzwerke und einer professionellen Talkshow mit unterschiedlichen Frauen, die für ihre Anliegen kämpfen und alle ihren Weg gegangen sind. Jede auf IHRE Art und Weise.

Terre des Femmes, die internationale Menschenrechtsorganisation für Frauen, dürfte vielen bekannt sein, aber wer kennt Zonta?
Zonta International ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern.
Ebenfalls spannend, aber nicht unumstritten, ist PinkStinks, eine gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die (mediale) Festlegung der Geschlechter in Pink und Blau durch Vielfalt zu ersetzen und sich gegen Sexismus in der Werbung einsetzt.

Netzwerkmeile Frauen im Blick Hamburg 2018Neben den Organisationen, die sich generell für Frauenrechte einsetzen, gibt es mittlerweile auch für viele Berufe eigene Frauennetzwerke, beispielsweise die Bücherfrauen oder FIM-Frauen im Management. Andere Netzwerke arbeiten berufsübergreifend und nutzen – wie auch wir vom sfs – die Synergien, die durch die unterschiedlichen Berufszweige ihrer Netzwerkerinnen entstehen können.

Nach dem ersten ‚Warm-up‘ und Kennenlernen der 30 ausstellenden Netzwerke und Verbände war die hochkarätig besetzte Talkrunde im 1. Stock der Höhepunkt des Abends. Unter der Leitung der NDR-Moderatorin Anke Harnack diskutierten: Katharina Fegebank, zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, Susi Kentikian, Boxweltmeisterin, Heidemarie Grobe, Koordinatorin von Terre des Femmes e.V. Städtegruppe Hamburg und Stevie Mariel Schmiedel, Vorstandsvorsitzende von Pinkstinks Germany e.V.

Im wirklichen Leben wirkt die mehrmalige Boxweltmeisterin Susi Kentikian noch viel zierlicher als im Fernsehen. Sehr sympathisch und offen berichtet Kentikian über ihren Weg vom armenischen Flüchtlingsmädchen, das mit neun Jahren nach Hamburg gekommen war und sich und ihre Familie im wahrsten Sinn des Wortes aus dem Container, in dem sie viele Jahre lebten, herausgeboxt hat. In mehreren Sportarten war sie überdurchschnittlich begabt, aber das Boxen, zu dem der Papa sie gebracht hat – er wollte, dass sie einen Sport zur Selbstverteidigung macht – ist schließlich zur Leidenschaft und zum Beruf geworden. Sie berichtet über ihre Aufs und Abs, über Phasen, in denen sie sich keine Pausen gegönnt hat, und über Manager, die sie übers Ohr gehauen haben. Heute managt sich Susi Kentikian selbst, das heißt sie hat auch beim Geschäft die Hosen an und trifft, unterstützt von ihrem Team, selbst die Entscheidungen. Daneben bietet sie auf St. Pauli Boxtraining für Flüchtlinge an – für Mädchen und Jungs. Wer ihr die Kraft zum Durchhalten auch in schwierigen Phasen gegeben hat? Die Mama!

Netzwerkmeile Frauen im Blick Hamburg 2016Als nächstes schilderte Katharina Fegebank ihren Werdegang. Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg war eigentlich nicht ihr Lebensplan; sie wollte Sportreporterin werden. Aber es kam – wie bei so vielen und so oft im Leben – anders: Auslandsaufenthalt nach der Schule in England (seitdem liebt sie England sehr!), Studium in Freiburg, ein hart erkämpftes Praktikum bei Heide Simonis, der damaligen Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, bei dem sie Blut für die Politik geleckt hat. Hart erkämpft heißt übrigens: zwei Jahre Vorlaufzeit, und trotz Absagen immer wieder nachhaken – ein Tipp den sie allen Anwesenden weitergibt …

Talk-Gast Heidemarie Grobe ist Koordinatorin der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Band und mit über 70 die Älteste der Runde. Schwungvoll und fröhlich stellte Anke Harnack die Frage, wie es denn im Gegensatz zu Frau Fegebank DAMALS bei ihr so war und bekam freundlich trocken zur Antwort: „ Ach wissen Sie – ich bin genauso HEUTE wie Sie…. .“
Und das ist sie!! Eines ihrer Hauptthemen ist und bleibt der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung, die in einigen Ländern immer noch gängige Praxis ist, und generell gegen Gewalt im Namen der „Ehre“. Das, so Heidemarie Grobe, seien keine bedauerlichen Einzelschicksale, sondern Einstellungen, die unser aller Zusammenleben gefährdeten. Bedauerlich sei, so Grobe zum Abschluss ihres Interviews, dass ihre Tochter 39 Jahre nach ihr mit fast identischen Problemen kämpfte, um Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Und kommt zu der Erkenntnis, dass es für Erreichtes nie eine Bestandsgarantie gibt. Am Ende stellte sie ganz sachlich fest: „ Ich denke, es ist ein Nachteil, dass die alten Männer immer noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, ältere Frauen aber nicht. Ich will das ändern.“

sexy_eb79f33e2a-150x150Den Abschluss der Runde machte Dr. Stevie Mariel Schmiedel, Vorstandsvorsitzende der Organisation Pinkstinks, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit den stereotypen Bildern von: Jungs spielen mit Autos und weinen nicht; Mädchen spielen mit Puppen, dürfen dafür aber weinen, aufräumen möchte. Passive Frauen, tonangebenden Männer…. Der Grundstein werde auch heute noch oft in der Erziehung gelegt, so Schmiedel. Pinkstinks arbeite dagegen, indem man beispielsweise mit einer kleinen Theatergruppe in Schulklassen und auf die Straße die gängigen Vorurteile und Stereotype deutlich mache. In den sozialen Medien sei es gelungen, ein großes Netzwerk gegen Sexismus in der Werbung aufzubauen, so dass auch schon Mal mit einem Shitstorm reagiert werden könne, wenn sich Werbetreibende Sprüche wie „Warum Sie lieber in Gold als in eine schöne Frau investieren sollten“ einfallen lassen.

Nach dieser bereichernden, informativen Talkrunde trafen sich alle Frauen wieder im Börsensaal und das sfs-Kleeblatt gönnte sich dann doch zu später Stunde – es war mittlerweile 21:00 Uhr – etwas Kulinarisches. Sekt und Buletten (im deutschen Sprachgebrauch auch bekannt als Frikadellen) ; eine tolle Kombination, um das Gehörte sacken zu lassen.

Das Fazit der Veranstaltung? Ein einzelnes kleines Frauennetzwerk ist eine gute Basis, um sich gegenseitig zu unterstützen, in vertrauensvoller Runde zu lachen, zu lernen, gemeinsame Themen aus der Berufswelt zu bearbeiten und Meinungen auszutauschen.
Aber wenn es um ernste Themen wie Gleichberechtigung und Gleichstellung geht und sich die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung darin einig ist, dass hier noch viel getan werden muss, dann muss eine größere Vernetzung erfolgen.

Weiterführende Links:
Terre des Femmes:
http://www.frauenrechte.de/online/index.php
Zonta international :
http://zonta-union.de/node/5
PinkStinks :
http://pinkstinks.de/
Bücherfrauen :
http://www.buecherfrauen.de/index.php?id=47
FIM – Frauen im Managment:
http://www.fim.de/
Schöne Aussichten: Verband selbständiger Frauen
http://www.schoene-aussichten.de/verband-selbstaendiger-frauen/verband/verband.php

Coyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2016
Bildnachweis:
Verein selbständige Frauen Südholstein, Pinkstinks https://pinkstinks.de/negativ-beispiele/

4 Antworten

  1. Susanne
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    Danke, Conny!

  2. Cornelia Hansen
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    super, vielen Dank für den informativen Bericht. Ich war ja in der Netzwerkmeile beschäftigt und habe somit nicht mitgekommen, wie die Talkshow ablief.

  3. Susanne
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    Danke Gaby! Aber mindestens die Hälfte des Lobs geht an Illa – die war nämlich im Gegensatz zur Schlussredaktion Pünktlich! 😉

  4. Gaby
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    Hallo Susanne,
    wie immer: super zusammengefasst, und immer nehme ich einen Tip mit.