„Ich möchte, dass die Geschäfte florieren“ Der sfs im Gespräch mit – Oliver Mesch

veröffentlich in Archiv, Trittau | 0

sfs Interview Oliver Mesch

Die Gemeinde Trittau gehört in Schleswig-Holstein zu den boomenden Regionen. Trotzdem gilt es, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen, denn die Einnahmen der Gemeinde wachsen nicht proportional zu ihren Ausgaben. „Ich möchte, dass die Geschäfte florieren“, betont Bürgermeister Oliver Mesch in einem Gespräch mit dem „Verein selbständiger Frauen Südholstein“ (sfs) zur Vorbereitung des Offenen Wirtschaftsstammtisches, „denn die Einnahmen aus der Gewerbesteuer machen 43% unseres Haushaltes aus und sind damit eine außerordentlich wichtige Stütze.“ Wie eine „Roter Faden für die Zukunft“ Trittaus aussehen könnte, soll am Donnerstag, dem 27.11. 2014 auf dem 1. Offenen Wirtschaftsstammtisch im Technologiepark erörtert werden, zu dem der sfs alle Unternehmerinnen und Unternehmer der Region herzlich einlädt.

Wachstum ist auch Herausforderung
Die Fakten sind bekannt: Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden wächst Trittau. Nicht zuletzt ist es durch seine Nähe zu Hamburg für Gewerbe ebenso wie für junge Familien, die nach bezahlbarem Wohnraum suchen, attraktiv. Neue Wohnsiedlungen sind entstanden, fast alle ausgewiesenen Gewerbeflächen sind besetzt. Und vor allem dank der Einnahmen aus der Gewerbesteuer ist Trittau handlungsfähig und kann bei einer im Vergleich einigermaßen erträglichen Pro-Kopf-Verschuldung in seine Zukunft investieren.

Aber Wachstum ist auch Herausforderung, wie im Gespräch mit dem neugewählten Trittauer Bürgermeister Oliver Mesch deutlich wird. Fakt ist auch, dass Trittaus Einnahmen nicht proportional mit seinen Ausgaben wachsen: Zum einen ist es als Unterzentrum verpflichtet, für seinen Einzugsbereich von über 20.000 Menschen Kindergärten, Schulen, Sportanlagen und Arztpraxen bereitzustellen. „Das Kultusministerium eröffnet beispielsweise die Möglichkeit, eine gymnasiale Oberstufe an der Hahnheideschule einzuführen, über die wir uns alle freuen“, erläutert Bürgermeister Mesch im Gespräch. „Was dabei aber nicht gesagt wird, ist, dass diese Erweiterung 1,7 Millionen Euro kosten wird, von denen Trittau 56% tragen muss.“
Zum anderen ist für Mesch auch der soeben in Kiel beschlossene kommunale Finanzausgleich „kein Anlass zur Freude“, denn durch eine Umstellung sollen zukünftig die großen finanzschwachen Städte Schleswig-Holsteins stärker profitieren. Schlechte Vorzeichen für Trittau?

Die Geschäfte sollen florieren
„Trittau bezieht 43% seiner Einnahmen aus der Gewerbesteuer, damit ist das Gewerbe der Motor, die tragende Säule der Gemeinde“, betont Mesch. Seine logische Schlussfolgerung: „Ich will, dass es den Unternehmen gut geht!“
Die Geschäfte laufen bereits gut: „Durch die Nähe zur Metropolregion Hamburg sind Trittaus Gewerbegrundstücke stark nachgefragt. Dank der guten Infrastruktur und einer landschaftlich reizvollen Lage gilt Trittau außerdem als interessanter Wohn- und Einkaufsort“, heißt es auf der Internetseite der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH (WAS), über die viele Gewerbeflächen in Stormarn vermarktet werden.

Tatsächlich sind fast alle aktuell ausgewiesenen Gewerbeflächen besetzt, neue Ausweisungen sind in Planung. Auch der Handel soll zukünftig gestärkt werden: „Wir müssen beispielsweise die Poststraße attraktiv halten und sehen, wir sie verbessern können; die Leute sollen gerne einfach nur zum Flanieren kommen“, betont Oliver Mesch. Ein Plus dabei sind die bereits jetzt vorhandenen kostenlosen Parkmöglichkeiten. Andererseits braucht es aber vielleicht auch das „Wir-Gefühl“, für das der Referent des 1. Offenen Wirtschaftsstammtisches am 27. November, der PR- und Unternehmensberater Thomas Franke, in seinem Vorab-Gespräch plädiert hat (Vgl.: http://sfs-netzwerk.de/1-offener-wirtschaftsstammtisch-in-trittau-ein-roter-faden-fuer-die-zukunft/). Denn die Beliebtheit etwa des Online-Handels auf Kosten von lokalen Ladengeschäften nimmt nicht nur außerhalb Trittaus zu.

Standortmarketing fängt viel früher an
Veränderte Kundenanforderungen und der Wettbewerb um die Neuansiedlung von Wirtschaftsunternehmen, die sich deutschlandweit den für sie am besten geeigneten Standort aussuchen, sind die Herausforderungen, denen sich die Gemeinde Trittau zukünftig stellen muss und wird. Neue Flächen beispielsweise für große produzierende Gewerbe müssen ausgeschrieben werden, aber auch andere Standortfaktoren wie etwa die Anbindung an „schnelles Internet“ stehen auf Bürgermeister Mesch‘s „To -do -Liste“. „Standortmarketing fängt viel früher an“, erläutert er, „denn erst einmal muss die grundlegende Infrastruktur stimmen.“

Neben den „harten“ Standortfaktoren sind es auch die „weichen“, die über den „Roten Faden für die Zukunft“ mit bestimmen werden. Denn wenn die WAS mit ausreichenden und gut ausgebildeten Fachkräften für den Standort Trittau wirbt, müssen die eben auch vorhanden sein – das ist dann der Bereich „Lebensqualität“, Erhaltung und Ausbau von Wohnraum, Kindergärten. Hier bestehe Handlungsbedarf, so Mesch. Als „Schlafdorf“ sieht er Trittau allerdings nicht: „75% aller Arbeitsplätze in Trittau sind durch Arbeitnehmer besetzt, die einpendeln. Pendeln ist auch eine Chance!“
Geht es nur um Neuansiedlungen und nicht um Bestandspflege? „Mit Sicherheit nicht“, so der Bürgermeister, „man darf weder das eine noch das andere vernachlässigen“, und fährt fort: „wenn man Gewerbe neu ansiedelt, hat man immer erst einmal Abschreibungen.“ Neue Chancen – neue Risiken.

Vom Abstrakten zum Konkreten
Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Vernetzung der bestehenden Unternehmen untereinander. Und der Dialog: „Ich will die Bedürfnisse der Unternehmen wissen, dann kann ich meine Verwaltung darauf einstellen.“
Denn obwohl die Gemeinde durchaus solide und komfortabel aufgestellt ist, viele „harte“ und „weiche“ Standortfaktoren bieten kann, die es für bestehende aber auch nach einem neuen Standort suchende Unternehmen attraktiv machen, laufen Einnahmen und Ausgaben auseinander. Eine Stärkung der wichtigsten Einnahmequelle der Gemeinde – der Gewerbesteuer – scheint dringend geboten zu sein.
Wie das gelingen kann und welche Konzepte zielführend sind, diskutieren am Donnerstag, dem 27. November ab 19.00 Uhr Oliver Mesch, der PR- und Unternehmensberater Thomas Franke mit denen, die am besten wissen, was die Gemeinde für sie tun kann – den Unternehmerinnen und Unternehmern der Region. Er freue sich auf den Abend hebt Bürgermeister Mesch hervor, „denn häufig sind es ganz konkrete Probleme – die neue Ausfahrt ist für meine LKWs ungünstig –, die Unternehmern das Leben schwer machen, die aber meistens einfach zu lösen sind.“

SG
Der 1. Offene Wirtschaftsstammtisch Trittau findet am Donnerstag, dem 27.11. 2014, ab 19.00 Uhr im Technologiepark statt, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Eingeladen sind alle Unternehmerinnen und Unternehmer des Amtes Trittau. Um vorherige Anmeldung wird gebeten.

Diskutieren Sie mit und melden Sie sich für den 27.11. an auf unserer Seite:
https://www.facebook.com/events/390225841102761/

oder direkt auf unserer Homepage:
http://sfs-netzwerk.de/kontakt/

oder per Email:
info@sfs-netzwerk.de

Copyright:
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert, 2014
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs