Mama macht’s sich selber

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Liebe Netzwerkerinnen, liebe Leserinnen und Leser,

ich lasse mich nicht gerne bedienen.

Das  – und eigentlich nur das – ist wahrscheinlich das grundlegende Missverständnis zwischen Männern und Frauen: Die einen sind bedient und merken es nicht, weil es so total normal ist, die anderen träumen davon und winden sich vor Peinlichkeit, sollte es tatsächlich passieren – möglicherweise auch noch ungerechtfertigt und ohne Gegenleistung.

Mama macht’s sich selber“ sagte beim Abendessen meine große Tochter zu meiner kleinen Tochter, als diese mir in einem seltenen Anfall von Pflichtbewusstsein Bratkartoffeln auf meinen Teller schaufeln wollte. Das mag ich tatsächlich nicht – ich nehme mir lieber selbst.

Ich war wieder einmal verblüfft über die Klugheit meines Teenagermädchens: Sie hat die Welt begriffen, bevor sie etwas von ihr gesehen hat (geschweige denn verheiratet war). Genau so funktioniert es: Frauen machen’s sich eben am liebsten selber – seit Jahrhunderten und mit mehr oder minder leisem Nörgeln aber ohne nennenswerten Widerstand.

Ein Grund dafür könnte natürlich sein, dass wir einfach besser sind. Keiner macht’s so gut wie wir, und deshalb machen wir’s lieber gleich selbst. Den Jungs zeigen wir ab der Schultüte die Kante: Mädchen sind nachweislich schneller und fleißiger, machen die besseren Schulabschlüsse und ziehen Ausbildung und Studium gewissenhaft und emsig durch. Während wilde Kerle von einer Fußballerkarriere träumen und bolzen oder als lonley Cowboys ihre Zeit mit einsamen Gitarrengeklimper verplempern, machen wir – Schularbeiten.

Soviel Fleiß zahlt sich aus: Heutzutage können und sollen junge Frauen die gleichen Jobs machen wie junge Männer. Die Löhne sind ein bisschen unterschiedlich, dafür bringen wir Personalchefs auch heute noch mit unserer potenziellen Gebärfähigkeit ins Schwitzen. Zum Ausgleich fühlen sich Frauen von einem Jobangebot erst ab einer 100-prozentigen Übereinstimmung angesprochen, Männer finden sich dagegen mit 60 Prozent gut und passend.

Wir kriegen Kinder oder auch nicht, sind emsig, bestrebt und äußerst belastbar, was auch nötig ist, um die Beulen, die wir uns immer noch an der „gläsernen Decke“ holen, verkraften zu können. Je nach Kinder- und Betreuungsstatus sind wir entweder Rabenmütter, Hausmütterchen oder karrieregeile Zimtzicken, weil kinderlos. In jedem Fall sind wir fleißig. Auch privat hämmern, bohren und tapezieren sich moderne Frauen ohne Service durch’s Leben. Beim Aufbau von „Billy“ kann man sehr einsam sein. Das geht Männern allerdings auch so.

Erziehungsgeld oder KiTa-Ausbau? Das mag netter Füllstoff für ein Sommerloch sein – normale Frauen (und Männer) können es sich aber bei d e r Scheidungsrate und d e n immer schmaler werdenden Rentenansprüchen nicht leisten, zugunsten des Nachwuchses längerfristig auszusteigen. Bei solchen Diskussionen wünscht man/frau sich mehr normale Menschen in der Politik.

Falls Sie jetzt glauben, ein Plädoyer für mehr Politikerinnen zu lesen, würde ich mich grob missverstanden fühlen. Es geht ja um’s Bedienen (lassen!) und nicht um’s Machen.

Letzteres können wir.

Vielmehr sollten Frauen die Brust ein bisschen breiter tragen und nicht nur pushen. Das Nörgeln aufgeben. Auch mal 60 Prozent sein, die Füße hochlegen und abwarten, ob nicht doch eine Bedienung vorbeischaut.

Und die dann aus vollem Herzen genießen.

Bei meinen Mädchen klappt das übrigens prima. Bis auf gelegentliches Bratkartoffelschaufeln lassen sie sich gerne bedienen. Naja – sie müssen es ja auch noch üben…

Und wer bedient Euch? Wenn Ihr ferienbedingt ein bisschen Muße habt, würden wir uns über Eure Meinung freuen! Schöne Sommerferien wünschen Euch
Eure Selbständigen Frauen Südholstein

 

Copyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2015
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert

Bildnachweis:
Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert