Nachlese Internationaler Frauentag: Selbstverständlich gleichberechtigt

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Selbstverständlich gleichberchtigt sfs

 

Von Illa Gabriela Graw

Liebe Netzwerkerinnen, liebe Leserinnen und Leser,

Gleichberechtigt? Sind wir doch! Oder?
„Die Gleichberechtigung ist in den letzten 40 Jahren einen guten Schritt vorangekommen“, referierte Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, ehemalige Richterin, Senatspräsidentin und Justizsenatorin in ihrem hochkarätigen Vortrag anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März in Bad Oldesloe. Mit der Gleichstellung nicht.

Es gibt keine Bestandsgarantie für Erreichtes. Lore Peschel-Gutzeit, engagierte Juristin und Frauenpolitikerin mit Bundesverdienstkreuz erster Klasse nimmt kein Blatt vor dem Mund. „Ich gehöre dem Verein für klare Aussprache an“, ist ihr kämpferisches, wenig altersmildes Statement.

In ihrem Buch ‚Selbstverständlich gleichberechtigt‘ beschreibt die 85jährige Juristin, die mittlerweile in Berlin als Anwältin tätig ist, das zähe Ringen um Gesetze zur Gleichberechtigung, an denen sie mitgearbeitet hat. Vieles, das sie gemeinsam mit Kolleginnen hart erkämpft hat, erscheint uns heute völlig selbstverständlich. Der Rahmen für Gleichberechtigung ist ein gutes Stück vorangekommen, so Peschel-Gutzeit, die Gleichstellung hinkt hinterher.

Eine „Rolle rückwärts in Sachen Gleichberechtigung“ sei möglich, so die Juristin, die den Ball dabei durchaus im Feld der Frauen sieht; „ Wir Frauen können uns nicht einerseits darüber beklagen, dass wir unbeachtet und ausgegrenzt bleiben, und andererseits ablehnen, wenn uns Anerkennung zuteil und Beteiligung angeboten wird. Weil wir sie uns nicht zutrauen, weil wir lieber unsere Kinder erziehen wollen, weil wir keinen fairen Wettkampf bestreiten wollen. Weil wir die Herausforderung scheuen.“

Ein stärkeres weibliches Bewusstseins sei nötig, um das Erreichte zu erhalten und das noch Unerreichte weiter voranzutreiben. Veränderungsprozesse seien oft langwierig, aber durchaus kalkulierbar, so Peschel-Gutzeit:

1. „Der Andere ist nur so stark, wie ich es zulasse!“
2. Eine Veränderung ist ein Prozess und wird im ersten Schritt immer erst einmal a) durch lächerlich machen abgelehnt, dann b) bekämpft und schließlich c) findet die Auseinandersetzung damit statt.

Zu mühsam, und eigentlich ist doch schon alles erreicht? Um diesen Prozess kommt keine Frau herum, wenn sie etwas verändern oder erreichen möchte, jedenfalls nicht im Berufsleben.

Es war ein großartiger und sehr passender Vortrags- und Diskussionsabend, den Frau Kruse-Gobrecht, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn, in Zusammenarbeit mit dem Frauennetzwerk FiF und dem kommunalpolitischen Frauennetzwerk Kopf anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März in Bad Oldesloe organisiert hatte. Mit einer interessanten Referentin und Zeitzeugin, die auch aus einer Zeit berichten konnte, in der „Selbstverständlich gleichberechtigt“ eben nicht selbstverständlich war.
Wünscht sich jemand die „Rolle rückwärts“? Illa und Martina, unsere beiden sfs-Vertreterinnen vor Ort, auf jeden Fall nicht!

Weiterführender Link:
Manchmal ist es pures Missverstehen, wenn Männer und Frauen aneinander vorbei reden. Wie „Mars“ und „Venus“ besser miteinander kommunizieren können, könnt Ihr nachlesen unter:
http://sfs-netzwerk.de/da-roehrt-der-hirsch-die-schwierige-kommunikation-zwischen-maennern-und-frauen/

Coyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2016
Bildnachweis:
Agentur für Bildbiographien

Eine Antwort

  1. Martina
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    Ich kann nur sagen wenn es die Möglichkeit noch einmal gäbe, mit dieser interessanten und klugen Frau zusammen zu kommen….ICH BIN DABEI!!!!!