Der sfs im Gespräch mit – Dr. Katherine Nölling

veröffentlich in Archiv, Trittau | 0

Trittau, im März 2014

Wenn es nicht noch weitere Überraschungen gibt, wird SPD-Kandidatin Katherine Nölling die einzige Frau sein, die an der „Trittauer Elefantenrunde“, der öffentlichen Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im Technologiepark, teilnimmt. Der „Verein selbständiger Frauen in Südholstein“ (sfs) richtet die Runde der Bürgermeisterkandidaten am 12. April aus; im Moment steht die Bühne für fünf Bewerber, mit einem sechsten Kandidaten wird allerdings gerechnet. Nach Thomas Mertens Ammermann und Julian Geisler stellt sich auch Frau Dr. Nölling vor der Diskussionsrunde den sfs-Fragen im Interview.

Katherine_Noelling

Viele warten darauf, dass mal was passiert“, sagt Katherine Nölling, Kandidatin der SPD für die Wahl des Trittauer Bürgermeisters am 25. Mai. Ihre Karriereplanung sei nicht darauf ausgerichtet gewesen, Bürgermeisterin zu werden, aber nachdem sie von ihrem Ortsverein gefragt wurde, und sie sich die Kandidatur reiflich überlegt hatte, stand schließlich ihr Entschluss fest:

„Das könnte für beide Seiten sinnvoll sein“.

 

„Ihre Bürgermeisterin für Trittau“ steht jetzt also auf ihren Visitenkarten, die sie gleich zu Beginn unseres Interviews an alle verteilt. Erst einmal geben – seien es Visitenkarten oder Tütchen mit Blumensamen für die Aktion „Lasst Trittau blühen“  – , ein Angebot machen, und dann den Empfänger in Ruhe selbst entscheiden lassen, was er oder sie daraus machen möchte, ist eines ihrer Grundprinzipien. Anzubieten hat die 50jährige studierte und promovierte Volkswirtin beruflich wie persönlich eine ganze Menge. Frisch, kompetent und wortgewandt stellt sie in unserem Gespräch ihre Ideen vor, benennt „Brachen, die in fröhlicher Gelassenheit vor sich hingammeln“ und umreißt Strategien, wie Trittau attraktiver werden könnte – eine ihrer Hauptforderungen. Anbieten kann sie, aber letztendlich „geht es  immer nur gemeinsam“, wie sie betont.

 

Ziele Setzen und Erreichen

Geboren wurde Katherine Nölling in den USA, Kindheit und Schulzeit verbrachte sie in Hamburg. 1982 erwarb ihre Familie eine alte Bauernstelle in Grönwohld, seitdem lebt sie mit Unterbrechungen dort. Vom Vater vorgeprägt, entschloss sie sich für ein Studium der Volkswirtschaftslehre statt wie ursprünglich geplant, Tierärztin zu werden; nach dem Studium, einem Dreivierteljahr als Gaststudentin in Berkley (Kalifornien) und ihrer Promotion an der Helmut Schmidt Universität in Hamburg setzte sie sich schließlich gegen knapp 300 Mitbewerber durch, zog nach München und wurde persönliche Redenschreiberin des Unternehmensberaters Roland Berger.

München sei nett gewesen, aber kein Vergleich zu ihrer norddeutschen Heimat, und so war sie ganz froh, als sie schwanger wurde und gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten nach Grönwohld zurückkehrte. Mit Baby und von Norddeutschland aus ging das Redenschreiben nicht mehr, und so wechselte sie innerhalb des Unternehmens ins sogenannte „Tender Office“, einer Abteilung, die Bewerbungen auf öffentliche Ausschreibungen betreut.

Das sei „keine Astrophysik“ gewesen, aber eine sehr aufwändige Arbeit; im öffentlichen Ausschreibungs-wesen muss jedes noch so kleine Detail beachtet werden, um nicht wegen Kleinigkeiten wie einer Unterschrift in falscher Farbe aus einem Bewerbungsverfahren zu fliegen. Seit dieser Zeit kennt sie sich gut im Bereich „Öffentliche Verwaltung“ aus, auch wenn sie sie von der „anderen Seite“ kennen gelernt hat.

 

„Ich kann ja immer nicht „Nein“ sagen“, lacht Katherine Nölling und berichtet von der Zeit ab 2003, als sie neben drei kleinen Kindern und dem „Tender Office“ in Teilzeit, plötzlich auch noch zwei Lehraufträge hatte. Stressig sei das anfangs gewesen, aber viel gelernt habe sie auch, nicht zuletzt, sich immer wieder Ziele zu setzen und zu fragen: „Wann willst Du die erreicht haben?“

Viel und harte Arbeit habe sie als „Nebenbei“-Dozentin in ihre Vorlesungen an der Uni und der Fern-Fachhochschule Hamburg gesteckt, trotzdem viel Spaß gehabt und auch ihr eigenes Spektrum noch einmal erweitern können, denn schließlich seien Finanzwissenschaften nichts anderes als die Lehre des Staates in allen monetären Bereichen wie beispielsweise Steuern, Sozialsysteme oder auch Emissionsrechte. 2005 sind beide Lehraufträge in Hamburg beendet, im Anschluss daran arbeitet sie weitere vier Jahre als Gastprofessorin für Volkswirtschaftslehre an der Lettischen Kulturakademie in Riga.

Im Jahr 2010 gibt sie auch diese Dozentur ab und steigt wieder voll bei Roland Berger ein, jetzt im Bereich „Corporate Publishing“. Damit kehrt sie ein bisschen zurück ans Schreiben und ins Marketing und betreut alles, was das Unternehmen an Publikationen herausgibt.

 

Verwaltung, Vermittlung und Vertretung nach außen

Versucht man Katherine Nöllings Programm sehr kurz zusammenzufassen, sind es die drei großen „Vs“, die ihre wichtigsten Ideen und Vorhaben charakterisieren: Verwaltung, Vermittlung und Vertretung nach außen. „Verwaltung ist der Kernpunkt des Bürgermeisteramtes“, sagt sie, „aber es gilt sie so zu führen, dass sie für alle da ist“. So müssten beispielsweise Entscheidungsvorlagen für die Gemeindevertreter transparenter und verständlicher sein, längerfristige strategische Planungen seien notwendig, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. „Es geht immer um das Abwägen von Gütern – und um die Frage: „Was ist mir wichtiger?“

Sie sei ein großer Freund von „Verzahnungen und Vernetzungen“ und sieht eine weitere Hauptaufgabe des zukünftigen Bürgermeisters in der Vermittlung bei kritischen Themen, wie sie am Beispiel Schützenplatz erklärt: „Wenn ich Bürgermeisterin werden sollte, dann fangen wir neu an“  – ohne die Ressentiments, die teilweise Jahre und Jahrzehnte zurückreichen.

Wichtig ist ihr auch die „Vertretung nach außen“: Einerseits möchte sie Trittau insgesamt attraktiver machen, andererseits erfordern Verhandlungen wie beispielsweise die um den kommunalen Finanzausgleich aktive Lobbyarbeit: „Sonst wird man von Themen erwischt und zahlt am Ende für etwas, für das man gar nichts kann“, sagt Katherine Nölling.

Gemeinsam mit engagierten Bürgern und Verbänden möchte sie daran arbeiten, die Gemeinde wieder stärker zu zentrieren: „Wir müssen aufpassen, dass Trittau nicht zu sehr zerfasert“ erklärt sie. Insgesamt müsse Trittau stärker repräsentiert und dadurch bekannter werden; so sei beispielsweis der „Fun-Parc“ ein Magnet für Jugendliche, aber das „Drumherum“ fehle: Warum nicht mal über eine Mehrzweckhalle auf dem ehemaligen Russmeyer-Grundstück nachdenken, mit einem Kino, das Schulen tagsüber und Jugendliche abends besuchen könnten, und Platz ebenso für Senioren wie auch für Kinder bieten würde. Gewerbeansiedlungen seien ein weiterer wichtiger Punkt, und das Schwimmbad müsse man mit „Zähnen und Klauen“ verteidigen – aber eben alles unter Finanzierungsvorbehalt.

 

Viele warten darauf, dass mal was passiert

„Ich mag Gremienarbeit“, sagt Katherine Nölling, und wenn man sich die beachtliche Liste ihrer ehrenamtlicher Tätigkeiten ansieht als Gemeindevertreterin in Grönwohld, Mitglied des Finanzausschusses, Vorsitzende des Kindertagesstättenbeirats, Lektorin und Mitglied des katholischen Kirchenvorstandes in Trittau und ehemaliger Vorstand des Vereins „Kinderhilfe Rumänien“, dann glaubt man ihr das sofort.

Die Erfahrung aus vielen Jahren unterschiedlicher Gremienarbeit merkt man ihr an, ebenso aber auch ihre Kompetenzen, die sie sich in unterschiedlichen Funktionen als Volkswirtin in der freien Wirtschaft und als Dozentin für Finanzwissenschaften erarbeitet hat. „Nachdem die SPD mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte zu kandidieren, habe ich mich gefragt: „Was bringst Du denn mit?“, sagt Katherine Nölling und fügt hinzu: „Es hat lange gegärt, aber am Ende habe mir gedacht: „Ich bringe viel mit“.

 

Natürlich sei es für sie eine Herausforderung, eine Verwaltung mit 50 bis 60 Mitarbeitern zu führen, und alle Projekte und Ideen werden wohl nicht umsetzbar sein – wie immer im Leben. Aber sie sei ziemlich frustrationsresistent und sagt:  „Wir versuchen mal einen Neustart, denn viele warten darauf, dass was passiert“.

Homepage: „Ihre Bürgermeisterin für Trittau“

http://katherine-noelling.de/

 

SG
Copyright:

Agentur für Bildbiographien, Susanne Gebert, 2014

Verein selbständiger Frauen Südholstein, sfs

Gerne nehmen wir Ihre Fragen an Frau Dr. Nölling auf.
Nutzen Sie bitte unser Kontaktformular oder unsere facebook Seite .

 

Weiterführende Artikel:

http://www.ln-online.de/Lokales/Stormarn/Katherine-Noelling-auf-dem-Weg-ins-Trittauer-Rathaus

http://www.hamburger-wochenblatt.de/ahrensburg/lokales/archivar-oliver-mesch-will-buergermeister-werden-d14053.html