Unterstützer gesucht: Ideen und Perspektiven für Trittaus Wirtschaft

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„Wenn es meiner Wirtschaft gut geht, geht es auch meiner Gemeinde gut“, fasste Peter Lange, Vorsitzender des Finanz- und Wirtschaftsausschusses der Gemeinde Trittau, den Sinn und Zweck der Vorbereitungsrunde für den nächsten Wirtschaftsstammtisch knapp und prägnant zusammen. Rund 15 Interessierte hatten sich am 28. Januar im Restaurant „Bahnhof 1“ gemeinsam an den Runden Tisch gesetzt, um die Ergebnisse des Ersten Wirtschafts-stammtisches im November letzten Jahres zu diskutieren und den nächsten vorzubereiten.

Trittau ist ein guter Ort zum Leben. Darin waren sich alle Teilnehmer der Vorbereitungsrunde einig. Und dass das keine hausgemachte und freundliche Trittauer Selbsteinschätzung ist, beweisen die zahlreichen jungen Familien, die seit Jahren Trittau als neue Heimat wählen und oft von weit her kommend in die Gemeinde ziehen. Der demografische Wandel, der deutschlandweit in vielen Regionen ein sehr heißes Eisen ist, findet in Trittau und seinem Amtsbezirk nicht statt.

Auch in puncto Gewerbeansiedlungen sieht es gut aus; fast alle ausgewiesenen Gewerbegebiete sind besetzt. Aber hier beginntFolie2 dann auch schon die „To-Do-Liste“ Trittaus, die Hausaufgaben, die noch gemacht werden müssen, und zugleich ein ortsspezifisches Paradoxon: Denn obwohl alle ökonomischen und sozialen Eckdaten der Gemeinde im grünen Bereich sind, drückt bei einem Haushaltsvolumen von 21 Millionen Euro eine Schuldenlast von sieben Millionen. Kluge Köpfe haben errechnet, dass das umgerechnet 880 Euro Schulden pro Einwohner sind, vom Baby bis zum Rentner.

Schulden haben die Unart, eher mehr als weniger zu werden. Zudem schränken sie den Handlungsspielraum ein, besonders dann, wenn Unvorhergesehenes dazukommt, wie beispielsweise der Zustand des Trittauer Schönaubades (vgl. hierzu: Hamburger Abendblatt: „Geht Trittaus Freibad unter?“). Logisch, dass nicht nur das Thema „Freibad“ sondern generell die Verschuldung der Gemeinde eines der wichtigsten Wahlkampfthemen des Bürgermeisterwahlkampfes im vergangenem Jahr war, und so ist es bis heute geblieben; Trittaus Schuldenlast ist auch ein knappes Jahr nach dem Wahlkampf das Haar in der Suppe, das Bürgermeister, Gemeindevertreter und nicht zuletzt Bürgerinnen und Bürger umtreibt.

Sparen und „Haushaltslöcher“ wie das Freibad schließen? Gewerbesteuer erhöhen? Oder lieber reduzieren, wie es beispielsweise der junge Monheimer Bürgermeister Daniel Zimmermann vorgemacht hat (vgl. hierzu: Spiegel Online Wirtschaft: „Finanznot der Kommunen: Aufstand der Zahlmeister“). Letzteres ist eine Idee, die übrigens auch im Trittauer Bürgermeisterwahlkampf diskutiert worden ist.

Folie3Fest steht, dass eine Lösung des Schulden-Dilemmas die Erhöhung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer sein könnte, unterm Strich ist das die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinde. Kurzum: Den bereits in Trittau ansässigen Unternehmen soll es gut und in Zukunft noch besser gehen, über Neuansiedlungen muss nachgedacht werden. „Ich will die Bedürfnisse der Unternehmen kennen“, ist das Credo des neugewählte Bürgermeisters Oliver Mesch. Für ihn sind kurze Wege zwischen Wirtschaft und Verwaltung eine Selbstverständlichkeit und die Basis für einen florierenden, attraktiven Wirtschaftsstandort: „Wenn es meiner Wirtschaft gut geht …“, so sieht es auch wie eingangs erwähnt Peter Lange, Vorsitzender des Finanz- und Wirtschaftsausschusses der Gemeinde und stellvertretender Bürgermeister.

Das ist Einladung und Aufforderung an alle Unternehmerinnen und Unternehmer der Gemeinde zugleich, und es wäre nicht klug, diese zukunftsweisende Chance zu vertun. Denn die Impulse für eine Weiterentwicklung sollen aus der Wirtschaft kommen – wer kennt Bedarf und Bedürfnisse von Unternehmern besser als die Unternehmer selbst?

Aus diesem Grund hat der „Verein selbständige Frauen Südholstein“ (sfs) die Idee eines gemeinsamen „Wirtschaftsstammtisches“ als Diskussionsforum für Wirtschaft und Verwaltung aus dem Bürgermeisterwahlkampf übernommen und im vergangenem November erstmals organisiert. Allerdings – und das war auch ein Thema der Vorbereitungsrunde für den kommenden Wirtschaftsstammtisch – ist die Veranstaltung nicht als „sfs-Selfie“, sondern als Forum für alle Unternehmerinnen und Unternehmer und alle Vertreter der Verwaltung gedacht. „Wir brauchen mehr Unterstützung“, betonte sfs-Vorstandsmitglied und ehemalige Gemeindevertreterin Gabriele Petersen. „Wir sind angetreten, um etwas für die Gemeinde zu tun“, so Petersen, „aber wir wollen auch nicht immer alles alleine organisieren“. Der Wirtschaftsstammtisch sei nicht als sfs-Veranstaltung gedacht und geplant, sondern solle vereins- und parteiübergreifend neue Impulse und Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Trittau liefern.

Die Frage lautet also: Was wollen Unternehmer und Gemeindevertreter aus Trittau und seinem Amtsbezirk gemeinsam veranstalten, damit es Wirtschaft und Gemeinde gut geht?
Es sei denn, alles ist bestens, und es besteht kein Bedarf …

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Die Themen der Vorbereitungsrunde:

– Schönaubad: „Renovieren oder schließen“, lautet nach wie vor die Frage. Wie wichtig ist das Freibad als „weicher“ Standortfaktor für die Attraktivität Trittaus? Wäre beispielsweise ein Shuttle-Service per Bus an den Großenseer Südstrand eine Alternative zum teuren Unterhalt des Freibades? Das Problem der seit den 1990er Jahren diskutierten „Freibad-Frage“ seien nicht die Renovierungskosten an sich, so Peter Lange. „Die Million für die Renovierung bekomme ich bei der Bank im Moment sogar zu guten Konditionen“, so der Vorsitzende des Finanz- und Wirtschaftsausschusses. Das Problem liege vielmehr in den laufenden Kosten, die Jahr für Jahr den Verwaltungshaushalt belasteten. „Das Schwimmbad ist in einer Zeit gebaut worden, als wir es noch mit der Abwärme der Meierei beheizen konnten“, so Lange. „Heute müssen wir die Energie teuer bezahlen und außerdem während der Öffnungszeiten drei Angestellte vor Ort haben, um den Badebetrieb am Laufen zu halten. Die Frage ist, können und wollen wir uns den Luxus auf Dauer leisten?“
Eine Alternative zur Schließung könnte ein Förderverein wie etwa in Barsbüttel sein. Die dortige Schwimmhalle wird von einer privaten Initiative betrieben, die Gemeinde bezuschusst das Bad lediglich mit einem festen Anteil. Auch die Öffnungszeiten des Freibades könnten durch ehrenamtliche Schwimmmeister an schönen Sommerabenden ausgedehnt werden.
Im Moment wird eine Bürgerbeteiligung (Befragung) vorbereitet.

– „Keiner kennt Stormarn“/ Sanfter Tourismus: Eine der Besonderheiten Trittaus ist seine wunderschöne Lage inmitten einer Eiszeitlandschaft, mit sanften Hügeln, Wäldern und vielen Seen. Die Metropole Hamburg ist nicht weit, Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise Schloss Reinbek oder Kloster Nütschau sind leicht erreichbar, in Lütjensee gibt es einen wunderschön gelegenen Kletterpark, und, und, und. Die Voraussetzungen für einen erholsamen kürzeren (oder längeren) Urlaub zum Wandern, zum Fahrradfahren, mit oder ohne Familie sind also ideal. Das Problem ist nur: „Keiner kennt Stormarn“, wie Helga Struwe betonte, die geführte Radreisen „Op’n Drahtesel“ anbietet. „Lauenburg kennt jeder, an Stormarn fährt man vorbei“, so Struwe.
Eine verlorene Chance. „Früher gab es in Trittau 30 bis 40 Gasthäuser“, so Peter Lange, „das war zu der Zeit, als die Hamburger aus ihrer verräucherten Stadt rauswollten.“ Aber auch heute nutzen viele Hamburger die Hahnheide als Naherholungsgebiet – was würde also dagegen sprechen, diese Attraktion auszubauen und Trittau als Zentrum für „sanften Tourismus“ über die Grenzen Hamburgs hinaus populär zu machen?

– Ansiedlung von kleinem und mittelgroßen Gewerbe: Trittaus Gewerbeflächen werden durch die „Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH“ (WAS) vermittelt, einer Gesellschaft, die vor allem für größere Flächen und größere Betriebe, hauptsächlich verkehrsgünstig entlang der B 404 gelegen, zuständig ist. Enormes Entwicklungspotenzial für Trittau sieht Peter Lange allerdings auch durch die Ansiedlung kleiner bis mittlerer Gewerbe, beispielsweise an der Großenseer Straße. „Dafür ist die WAS nicht geeignet“, so Lange und fährt fort: „große Industriebetriebe wollen wir eigentlich gar nicht.“

– Bebauung/Gemeindeentwicklung: So schön die Umgebung Trittaus ist, so sehr hapert es an der innerörtlichen Attraktivität. „Man hat den Eindruck, dass sich die Bahnhofstraße mit ihren kleinen Geschäften langsam entwickelt, während es für die Poststraße ungleich schwerer ist“, so der Trittauer Geschäftsmann Jürgen Hansen. In Trittau macht man Besorgungen, zum Bummeln und Verweilen finden Besucher nur wenig, so die einhellige Meinung der Vorbereitungsrunde. Ein bisschen mehr „zurück zu den Wurzeln“ mahnte auch Sven Höper an, der gemeinsam mit Andreas Willkomm die Trittauer Online-Zeitung „Trittau24.com“ in der Vorbereitungsrunde vertreten hat. „Manchmal wünsche ich mir die guten alten Planungsmodelle zurück“, so Höper.
„Politische Prozesse und städtebauliche Entwicklungen dauern bis zu 15 Jahre“, warnt Peter Lange, trotzdem wären kurzfristige Veränderungen, wie etwa eine Verlegung des Marktes direkt vor das Rathaus nachdenkenswert. Andere Ideen zur Belebung des Ortskerns, beispielsweise die einer Fußgängerzone für die Gemeinde, hält er für illusorisch.Trittau_Wappen.svg

– Trittaus „Markenkern“: Für was steht Trittau? Andere Gemeinden haben es vorgemacht: Eine gemeinsame Stimme, ein gemeinsamer „Markenkern“ kann die Attraktivität für Einwohner und Besucher deutlich erhöhen. Es gibt viel Schönes in und um Trittau, das vielleicht einfach nur ein bisschen klarer und unter einem gemeinsamen Dach hervorgehoben werden muss. Mit einem umfassenden Konzept könnte man die Attraktivität der Gemeinde erhöhen, mehr Besucher und Touristen anlocken und damit den Wirtschaftsstandort stärken.

– Ideen und Perspektiven für den nächsten Wirtschaftsstammtisch: gibt es einige, wie die Vorbereitungsrunde gezeigt hat. Sanfter Tourismus, die Ansiedlung kleiner und mittlerer Gewerbe und städtebauliche Maßnahmen, um insbesondere die Poststraße für Shoppingtouren einladender zu gestalten, könnten erste Impulse für eine stärker zusammenwachsende Gemeinde und einen gemeinsamen Markenkern sein. Aber diese Aufgabe kann nicht von einigen wenigen weitergeführt werden, insofern werden für den kommenden Wirtschaftsstammtisch im April dringend weitere Unterstützer aus Verwaltung und Wirtschaft gesucht!
SG

 

Weiterführende Links:

Hamburger Abendblatt: „Geht Trittaus Freibad unter?“

http://www.abendblatt.de/region/stormarn/article134484899/Geht-Trittaus-Freibad-unter.html

Spiegel Online Wirtschaft: „Finanznot der Kommunen: Aufstand der Zahlmeister“

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/finanznot-der-nrw-kommunen-staedte-wehren-sich-gegen-umverteilung-a-918012.html

 

Copyright:
Verein selbständige Frauen Südholstein, sfs, 2015

Bildnachweis:
Sven Höper
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