Wie Ihr Euren „inneren Wächter“ zähmt und Aufgaben schneller erledigt

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Finde dich, sei dir selbst treu, lerne dich verstehen, folge deiner stimme, nur so kannst du das Höchste erreichen

Liebe Netzwerkerinnen, liebe Leserinnen und Leser,
wer kennt es nicht: Da steht eine wirklich wichtige Aufgabe an, aber man kommt und kommt einfach nicht dazu, sie endlich zu erledigen. „Schuld“ an Aufschieberitis und Co. ist nicht, wie oft fälschlicherweise gedacht, der „innere Schweinehund“, sondern unser „innerer Wächter“, also der, der immer so schön aufpasst, dass wir keinen Unsinn machen. Und jetzt?

Wer etwas Großes vorhat – einen großartigen Text schreiben, eine Aufgabe zur Zufriedenheit aller lösen –, muss sich also erst einmal mit seinem internen Wachmann auseinandersetzen, dem oft genug nichts gut genug ist.
Zumindest nicht gut genug für unsere eigenen hohen Ansprüche – es soll ja, wie gesagt, großartig werden. Als Faustregel gilt: Je größer die Aufgabe, desto größer der Wächter.

Wenn Ihr also blockiert und einfach nicht weiterkommt, dann liegt es an ihm. Aber keine Sorge: Auch wenn scheinbar nichts vorangeht, arbeitet Ihr innerlich schon längst am Problem und nehmt geistig Anlauf.

Und für alle, die noch ein paar Tipps zum Anlaufnehmen brauchen, folgende Ratschläge:

  • Tipp 1 Schwimmt Euch frei und räumt erstmal auf: Solange sich Rechnungen, unbeantwortete E-Mails oder sonstige „TO DOs“ auf dem Schreibtisch stapeln, wird es schwer sein, den Kopf für ein neues Projekt frei zu bekommen.
    Entrümpelt erst einmal und schafft Platz für Neues! Das darf durchaus einen ganzen Arbeitstag kosten, denn die Zeit zählt schon zu Eurer neuen Aufgabe, die Ihr demnächst mit großem Erfolg abschließen werdet!
  • Tipp 2 Freischwimmen funktioniert nicht unter Termindruck: Niemand kann locker und entspannt an eine Aufgabe herangehen, wenn ihm die Zeit im Nacken sitzt. Beginnt mit den Vorarbeiten zu Ihrem nächsten Projekt schon viel früher, als Ihr zu können glaubt.
  • Tipp 3 Freischwimmen durch Sammeln und Recherche: Zu Beginn eines Projektes ist es oft hilfreich, das Eichhörnchen in sich zu entdecken, und in einer virtuellen oder echten Box Zitate, Zeitungsartikel, Fotos und Notizen zu sammeln und aufzubewahren – eben alles, was Euch gefällt und später für Euer Thema nützlich sein könnte.
    Das Schöne ist, dass sich im Laufe der Zeit nicht nur die Recherchebox füllt, sondern auch Euer Kopf. Ist man mit Interesse und Enthusiasmus bei der Sache, dauert es nicht lange, bis sich dort alles Gelesene, Markierte und Notierte selbständig macht, zu „gären“ beginnt und nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügt.
    Eine feine Sache, wenn man später die Quintessenz einfach nur noch destillieren muss!
  • Tipp 4 Lest!: Klauen darf man nicht, sich inspirieren lassen schon.
    Besonders wenn Ihr selbst etwas zu Papier bringen wollt, schlagen Stil, Sprache und Tempo der Literatur, die Ihr für Ihre Arbeit oder auch nur zum Spaß lest, direkt auf Eure eigenen Texte durch. Lest, aber lest richtig!
    Lest Bücher und Texte, die Euch gefallen, versucht zu analysieren, was Euch daran gefällt, und macht es nach. Meidet so gut es geht Texte und Autoren, die Ihr nicht mögt, auch wenn das Thema interessant ist.
    Es ist erlaubt, ein Buch nach zehn Seiten wegzulegen.
  • Tipp 5 Fangt an!: Der Sankt-Nimmerleins-Tag fällt aus. Besser ist es, man fängt sofort an. Frei nach dem Motto: „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.“ (Konfuzius).
  • Tipp 6 Freischwimmen durch ‚Freewriting‘: Um (Schreib-)Barrieren zu überwinden, gibt es großartige Techniken.
    Nachdem Ihr Eure Recherchebox angelegt und gefüllt haben, könnt Ihr beispielsweise einfach mal fünf, zehn oder 20 Minuten aufschreiben, was Euch zu Eurem Thema durch den Kopf geht. Ohne Absetzen, ohne Nachdenken, ohne auf Formulierungen zu achten. Einfach so, um in den Gedankenfluss zu kommen.
    Legt dann Euer ‚Freewriting‘-Ergebnis weg und lest es am nächsten Tag noch einmal durch. Gar nicht so schlecht, oder? Wahrscheinlich stimmt die Reihenfolge noch nicht, bei den Formulierungen ist vermutlich noch „Luft nach oben“, aber im Großen und Ganzen ist das, was Ihr da produziert habt, schon eine ausgezeichnete Basis.
    Glückwunsch! Das lässt sich jetzt nämlich ausbauen.
  • Tipp 7 Probiert: Der „rote Faden“ ist ein eher flüchtiges Ereignis, das man in der Regel nicht im Sturm erobert, sondern meistens durch Anpirschen und Einkreisen für sich gewinnt.
    Deswegen ist es ratsam, sein Projekt als ‚Probe‘ zu beginnen: Die „vergorenen“ Erkenntnisse der Recherchebox aufschreiben, eine grobe Skizze erstellen, was man wem eigentlich sagen möchte, sich in die Lage des Lesers oder Zuhörers versetzen und überlegen, welche Informationen er braucht, damit sein Leben bunter und/oder einfacher wird.
    Probiert erst ohne, mit der Zeit aber mit wachsendem Anspruch.
    Einige Gedanken werden Euch gut und ausbaufähig erscheinen – mit denen arbeitet Ihr weiter –, andere sind nur Zwischenschritte, die auf dem Weg zum Gesamtergebnis irgendwann wieder gelöscht werden.
    Manche Tage sind „Holzweg“-Tage mit vielleicht drei mageren Wörtern als Ausbeute (die aber durchaus wichtig sein können!), an anderen Tagen geht es super voran. Nur nicht die Geduld verlieren, Hauptsache es gärt!
  • Tipp 8 Macht Pausen und putzt Fenster (oder ähnliches). Zur Not auch zweimal: Nehmt Euch ungestörte Zeit für Euer Projekt, aber begrenzt diese Zeit auch. Niemand ist permanent produktiv und kreativ. Wenn man sich zu sehr in seine Aufgabe verbeißt, kann es sein, dass sich am nächsten Tag die Frage „Oje, was hab‘ ich denn da gemacht?“ aufdrängt. Mäßig aber regelmäßig ist besser als alles in einem Rutsch und im „Hauruck“-Verfahren abzuarbeiten.
    Sorgt für ausreichende Pausen und Entspannung. Erst mit etwas Abstand könnt Ihr die Ergebnisse Eurer Arbeit überprüfen, abschätzen und gegebenenfalls korrigieren.
  • Tipp 9 Lasst es liegen: Am Ende erwischt es einen dann doch meistens: „Need for closure“, das Bedürfnis, fertig zu werden. Es ist 22.00 Uhr, Ihr habt während des Endspurts viel länger als geplant an Eurem Projekt gearbeitet und alles richtig gemacht: der „Wächter“ ist glücklich, ein roter Faden gesponnen, treffende Formulierungen gefunden und alles ist hübsch verpackt und rund gefeilt.
    Jetzt ist Schluss, jetzt wird ausgedruckt, gepostet oder verschickt, denn Ihr seid müde und wollt ins Bett.
    Tut es nicht, lasst es liegen.
    Geht Sie ins Bett, schlaft noch einmal drüber und schließt Euer Projekt am nächsten Tag so ab, wie Ihr es begonnen habt: entspannt und in Ruhe.
    So verständlich „Need for closure“ auch ist, so wichtig Effizienz und Effektivität bei jeder Aufgabe sind, so sehr läuft man Gefahr, das Ergebnis und den Erfolg durchdachter Arbeit am Ende seiner eigenen Ungeduld zu opfern.
    Ein gelungenes Projekt muss funkeln. Funkelt Eures? Das werdet Ihr spüren. Aber erst, wenn Ihr es Euch ausgeruht und mit Abstand noch einmal ansehen. Morgen.
  • Tipp 10 Keine Angst vorm Ankommen!: Fertigwerden ist Übungssache, manchmal wird es aber auch zur Kunst..
    Besonders dann, wenn man nicht termingebunden für andere arbeitet, sondern für sein eigenes Projekt, ist die Gefahr groß, dass das Ende besagtem Sankt-Nimmerleins-Tag zum Opfer fällt.
    Natürlich kann man sein Leben und seine Arbeit auf das Ziel „Perfekt!“ ausrichten, Spaß macht das auf Dauer allerdings auch nicht.
    Bevor man in die größte aller „Aufschieberitis“-Fallen tappt und wegen Perfektionismus nie fertig wird, sollte man die Notbremse ziehen: sich selbst terminieren und das bisherige Arbeitsergebnis wenigstens einem kleinen vertrauten Kreis präsentieren. Nachbessern kann man dann immer noch …

Alles klar?
Ein erholsames Wochenende und eine produktive neue Woche wünscht Euch

Euer sfs

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